20. Enjoy Jazz Festival in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen Jazz-Vergnügen mit politischer Botschaft

Von Martina Senghas

Das afrikanische Musikerinnenkollektiv "Les Amazones d’Afrique" eröffnete das Festival Enjoy Jazz, das mittlerweile größte Jazzfestival in Deutschland. Ein klares politisches Statement zu Beginn des rund siebenwöchigen Festivals: Die Band setzt sich in Westafrika für Frauenrechte ein. Gut 80 Konzerte und Veranstaltungen in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen lockten mit Jazz und anderen Musikrichtungen.

Afrikanische Band für Frauenrechte und weibliches Selbstbewusstsein

"I play the kora" von "Les Amazones d’Afrique" ist nicht nur ein Titel, sondern ein Statement. Denn die Kora, eine Harfenlaute, ist ein Instrument, das in Westafrika traditionell nur Männer spielen.

"Les Amazones d’Afrique" stehen für Frauenrechte ein, für weibliches Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Veränderung. Die Band ist ein Zusammenschluss von zwölf westafrikanischen Musikerinnen, die fast alle auch als Solokünstlerinnen erfolgreich sind, teilweise weltweit.

Musikerinnen unterstützen Beschneidungs- und Vergewaltigungsopfer

Die Musik ist ein Mix aus afrikanischen und westlichen Stilen, Funk, Blues und Elektroklängen. Gesungen wird in mehreren Sprachen. Mit einem Teil ihrer Einnahmen unterstützen die Musikerinnen die Behandlung von Beschneidungs- und Vergewaltigungsopfern.

Das entspricht dem Konzept, das Enjoy Jazz verfolgt. Festivalleiter Rainer Kern erklärt: "Primär ist unsere Arbeit ein künstlerisches Statement. Da ich meine Arbeit auch als politische Arbeit verstehe, ist das immer miteinander verknüpft."

Rainer Kern – der Leiter des Enjoy Jazz Festivals im Gespräch

Dauer

Angélique Kidjo aus Benin: "Noch immer dominieren die Männer"

Angélique Kidjo aus Benin ist unter anderem Grammy-Preisträgerin. Warum sie bei dem Kollektiv mitmacht, hat sie in der Zeitschrift Rolling Stone so erklärt: "Obwohl es an vielen Orten in Westafrika matriarchale Gesellschaften gibt, dominieren immer noch überall die Männer. Die neue Generation von Mädchen erkennt, dass sie diese Schlacht nur schlagen wird, wenn sie sich an sich selbst hält."

Auf der Bühne steht immer nur ein Teil der Sängerinnen. Nach Heidelberg kommen Mamani Keita, eine der Gründerinnen des Projekts, Oumou Sangaré und Doumbia, an den Instrumenten übrigens von Männern begleitet.

"Mashrou Leila" als Schluss-Act von Enjoy Jazz

Auch die Indi-Rock-Formation "Mashrou Leila" aus dem Libanon passt gut in das Festivalprogramm. Der energetischen und mitreißenden Band geht es um kulturelle, religiöse und sexuelle Freiheit. Sie bildete den Schluss-Act des Festivals Mitte November.

81-jähriger Saxofonist Archie Shepp als Artist in Residence

Rund 80 weitere Möglichkeiten gab es, vom Jazz beeinflusste Musik zu erleben. Artist in Residence war beispielsweise der 81-jährige Saxofonist Archie Shepp. Rainer Kern über diesen Weltstar: "Auf der Bühne ist er natürlich nicht so, als wenn er 18 wäre, aber er steht da wie eine Eins. Er hat etwas zu sagen. Er ist wirklich im Sinne des Wortes ein Mentor, ein großer Intellektueller des Jazz."

Enjoy Jazz 2018 "Archie Shepp" (Foto: SWR, Enjoy Jazz Festival, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit  - Foto/Copyright: Manfred Rinderspacher)
"Archie Shepp" Enjoy Jazz Festival, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Foto/Copyright: Manfred Rinderspacher

Jazz kommt ins Mannheimer Opernhaus

Archie Shepp trat mehrmals auf, unter anderem im Mannheimer Opernhaus. Spätestens daran merkte man, dass das Enjoy Jazz Festival während der 20 Jahre seines Bestehens einen weiten Weg zurückgelegt hat.

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