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Elvis Costello hält sich seit mehr als vier Jahrzehnten im Geschäft, obwohl er immer ein unberechenbarer Musiker war. Auf seinem 31. Album hat er sich sogar selbst überrascht.

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Ein Multi-Instrumentalist, der durch Zeit und Raum mäandert

Wer glaubt, Elvis Costello stilistisch festklopfen zu können, von dem will man nicht wissen, was er sonst noch so glaubt. Zu sehr mäandert der Multi-Instrumentalist durch Zeit und Raum – und die sind bekanntlich relativ.

Rock'n'Roll der gängigen Baureihe kommt bei Costello nur noch selten vor. Es sind die Momente, in denen er durch die Vorhänge der Musikgeschichte kiebitzt, die sein Schaffen so reizvoll machen. „Hey Clockface", Costellos neues Werk, bietet ein hin- wie mitreißendes Kaleidoskop aus Jazz, Rock, Punk, Vaudeville, Spoken Word, Dixieland – in der Summe garantiert schubladenfrei.

Wie ein Mixtape für die Liebsten

Elvis Costello ist der Mann mit dem Chamäleon-Blick: Ein Auge nach vorne, eines nach hinten und im Kopf werden Vergangenheit und Zukunft zur Gegenwart verwoben. So nimmt sich „Hey Clockface" aus wie ein Mixtape für die Liebsten, das doch irgendwie kohärent klingt. Costello streckt sich immer noch nach der Decke – auch wenn ihn nur der Zufall irgendwo hineinwirft.

Texte über Egoismus, Selbstgerechtigkeit, Fremdenfeindlichkeit

Es sind nicht zuletzt die Texte, die das bunte musikalische Treiben auf „Hey Clockface" mitbestimmt haben. Egoismus, Selbstgerechtigkeit, Fremdenfeindlichkeit, soziale Medien und anderes mehr sind die Themen, die sich hier musikalische Ausgestaltung gesucht haben.

Costello, der einstige Anarcho-Punker, ist weise geworden. Wenn seine Texte heute politisch sind – und dafür gibt es reichlich Gründe –, dann sind sie es sicher nicht platt und nicht plakativ.

Costello als Erzähler, Crooner, Nöler, Opernheld, Jazzsänger

Für ihn seien die politisch anmutenden Lieder auf dem Album im Grunde emotionale Reaktionen, keine Manifeste, sagt Costello im SWR2 Gespräch. Emotionen, die der Sänger nicht zuletzt durch Spielereien mit der Stimme unterstreicht, mit der er mal als Erzähler oder Crooner, mal als Nöler, Opernheld oder Jazzsänger auftritt.

Klavier, Cello, Basstrompete, Klarinette, Posaune, Farfisa-Orgel – auch die Instrumentierung von „Hey Clockface" sprengt alle Fesseln. Sogar ein mittelalterlicher Serpent kommt zum Einsatz und sorgt für orientalisches Flair. Produzent Steve Nieve hat erneut gezeigt, warum Costello seit 1977 mit ihm arbeitet. Und mit Bill Frisell taucht noch ein alter Kumpel in einem Song auf.

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