Gespräch

Jazzpreis-Trägerin Fola Dada: „Jazz ist in Deutschland immer noch eine Männerdomäne“

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AUTOR/IN
Silke Arning

Die Sängerin Fola Dada begeistert seit vielen Jahren mit ihrer faszinierenden Stimme und ihrer starken Ausstrahlung das Publikum. Besonderes Charakteristikum der Trägerin des Deutschen Jazzpreis 2022 ist ihre stilistische Vielfalt und ihr breites musikalisches Spektrum.

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Unterwegs in verschiedenen Formationen

Diese Qualitäten haben ihr über die Jahre auch besondere Begegnungen mit anderen großartigen Künstlerinnen und Künstlern ermöglicht. Und erst kürzlich hat Fola Dada für ihre musikalischen Verdienste den Deutschen Jazzpreis 2022 in der Kategorie Vokal national erhalten.

Fola Dada ist unterwegs in verschiedenen Formationen – sie tritt als Frontfrau bei der Band von Hellmut Hattler auf, ist Sängerin der SWR Big Band, zu Gast bei zahlreichen renommierten Künstler*innen. Aber sie hat auch eigene Ensembles ins Leben gerufen und bewegt sich im Duo mit dem Pianisten Rainer Tempel zwischen Kunstlied und Jazz.

Jazz Deutscher Jazzpreis 2022: Fola Dada als beste deutsche Sängerin ausgezeichnet

Fola Dada aus Stuttgart wurde als beste deutsche Sängerin  mit dem Deutschen Jazzpreis 2022 ausgezeichnet. In der Kategorie Künstler des Jahres national gewann die in New York lebende Saxofonistin Charlotte Greve. Newcomer Michael Mayo gewann in der Sparte International. Der in Güstrow geborene Jazzmusiker, Saxofonist, Komponist und Autor Ernst-Ludwig Petrowsky (88) wurde für sein Lebenswerk wurde geehrt. Der höchstdotierte Preis für Jazzmusik in Deutschland wurde in 31 Kategorien für „außergewöhnliche und innovative künstlerische Leistungen“ vergeben.  mehr...

Jazz ist in Deutschland immer noch eine Männerdomäne

Fola Dada erzählt aus ihrem reichen Erfahrungsschatz als Jazzmusikerin, Gesangsprofessorin und Dozentin an mehreren Musikhochschulen, sowie als Leiterin ihrer eigenen Gesangsschule STIMMWERK in Stuttgart.

Dass der Jazz in Deutschland noch immer eine Männerdomäne ist, beobachtet sie auch bei den Studierenden mit Sorge. Zwar seien Frauen im Jazzgesang sehr stark vertreten, auch recht gut noch beim Instrument Klavier, sagt sie, aber bei den sogenannten „Männerinstrumenten“ Trompete und Schlagzeug würde es dann sehr dünn.

„Ich lerne durch Schulprojekte Schulbands kennen, in denen sehr wohl Mädchen dabei sind, die alle möglichen Instrumente spielen. Die landen schon mal nicht in den Studiengängen. Und selbst wenn sie einen Studiengang besucht haben, landen sie nicht in der Szene.“

Der Prozess zur Gleichberechtigung im Jazz wird noch dauern

Die Gründe dafür, dass junge Frauen auf dieser Strecke sich schließlich doch entscheiden würden, andere Wege zu gehen, müssten unbedingt erforscht werden, sagt Fola Dada.

Dieser Prozess hin zu einer größeren Gleichberechtigung in der Jazzszene werde aber noch dauern. Einen möglichen Anstoß für eine Verbesserung der Situation sähe sie zum Beispiel im Schaffen von Vorbildern, sagt sie gegenüber SWR2.

„Insofern kann ich schon einmal ganz glücklich sagen: Vielleicht Dank Esperanza Spalding, Sängerin und vor allem Kontrabassistin, sehe ich einige Jazzkontrabassistinnen an den Hochschulen, was mich wahnsinnig freut.“

#Kulturfrauen Die erste Staffel mit Fola Dada, Ariane Müller, Nicole Fritz, Mine und vielen mehr

Sie leiten Ausstellungshäuser, Kulturzentren und Archive, sind Meisterinnen auf ihrem Instrument, Designerinnen, Choreografinnen und sind — nicht nur am internationalen Frauentag — Vorbild für andere Frauen und Männer. Sie sind Netzwerkerinnen, forschen, setzen außergewöhnliche Konzepte um und sind kreativ – sie sind Kulturfrauen im Südwesten. In der Reihe #Kulturfrauen präsentiert SWR2 die spannenden Biografien dieser Frauen, die das Kulturleben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausmachen und bereichern. Entdecken Sie die #Kulturfrauen auch bei Facebook, Instagram und Twitter!  mehr...

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Silke Arning