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Der Technoclub als Heilstätte - DJ Bebetta über die positive Wirkung von Beats

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Ihr Psychologiestudium hat sie zu Gunsten der Musik abgebrochen. Nun mischt die Bremerin Bebetta mit ihrem sogenannten Märchentechno ganz oben in der DJ-Szene mit. Das Abtanzen auf einen guten Mix aus verschiedenen Technostücken bietet ihrer Meinung nach nicht nur kontrollierte Eskalation, sondern hat auch eine heilende Wirkung auf die Psyche.

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Bebetta ist eine internationale Techno-Größe

Das war's, die letzten Beats der zweieinhalb stündigen Techno-Party verklingen mitten auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Landau – der Jubel ist groß.

Noch ist die Menge nicht bereit, DJ Bebetta von der Bühne gehen zu lassen. Flehen hilft aber nicht, die Nachbarn wollen schlafen. Bebetta, die mit bürgerlichen Namen Anika Schnabel heißt, ist mit dem Abend sehr zufrieden.

Seit 2008 legt sie auf und ist mittlerweile eine internationale Techno-Größe von Indien bis Australien. Vor rund zehn Jahren hat sie in Trier ihr Psychologie-Studium für die Musik abgebrochen. Mit einem Augenzwinkern sagt die Musikproduzentin, dass sie als DJ mehr Gutes für die Psyche der Menschen tun kann, als als Therapeutin.

Ein gutes Set muss eine Geschichte erzählen

Mit der Zuspitzung der Pandemie hatte die Bremerin plötzlich all ihre Auftritte verloren – von tausend auf null. Wie ein Aufprall gegen die Wand habe sich das angefühlt. Im April und Mai dieses Jahres kamen dann die Selbstzweifel: Wird es jemals wieder los gehen, kann sie noch auflegen? Nun sind die Konzerte besser denn je.

Ein gutes Set, meint die Künstlerin, soll eine Geschichte erzählen, Höhen und Tiefen haben, überraschen und ein glückliches Ende nehmen. Die Tanzenden erfahren also wie im antiken Schauspiel eine Katharsis.

In der Technoszene geht es um Gemeinschaft

Durch emotionales Abreagieren beim Tanzen zu den mal treibenden mal sanften Beats werden psychische Konflikte und innere Spannungen abgebaut.

Bebetta ist davon überzeugt, dass viele Gewaltsausbrüche während des Lockdowns aus dem fehlenden Platz zum Feiern resultierten. Zudem herrsche in der Techno-Szene ein großes „Wir-Gefühl“, wobei jeder so sein darf, wie er ist. Auch deshalb seien die Partys so heilsam.

Es geht um Gemeinschaft, darum, dass Menschen aller Hautfarben und Glaubensrichtungen zusammenzufinden und – wie Bebetta sagt – ihren Geist befreien. Körpereigene Glückshormone lautet hier also die Devise.

Bebetta hat ein eigenes Label gegründet

Wie es mit den Partys im Herbst und Winter weitergeht, ist gerade noch recht ungewiss. Viele Clubbetreiber*innen zögern noch mit den Buchungen, weil die Hygienekonzepte noch nicht feststehen.

Langweilig wird es der vielseitigen Künstlerin aber nicht. Vor Kurzem hat sie ihr eigenes Musik-Label „Eating People“ gegründet. Die Vinylplatten sind streng limitiert, denn die Cover werden original von Künstlerinnen gestaltet. Somit kann man sich die heilsamen Beats direkt nach Hause holen.

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