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Auf „Swallow Tales“ verneigt sich der Gitarrist John Scofield musikalisch vor seinem langjährigen Freund und einstigen Mentor Steve Swallow. Kennengelernt hatten sich die beiden in den 70er Jahren, als Scofield am Berklee College studierte, an der der virtuose Bassist damals zum Lehrpersonal gehörte.

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Von Freundschaft geprägt

Man verstand sich sofort. Seit der amerikanische Gitarrist John Scofield 1973 am Berklee College of Music beim Bassisten Steve Swallow Musik studiert hat, haben die beiden immer wieder in verschiedenen Bands zusammen gespielt und als Trio touren sie seit Jahren zusammen mit dem Schlagzeuger Bill Stewart um die Welt.

John Scofield, selbst fleißiger Komponist, hatte immer Hochachtung vor den Kompositionen Swallows und wollte schon seit langem ein Album mit Stücken seines Freundes aufnehmen. Jetzt war es soweit.

„Steve hat einen sehr melodischen Stil. Das sind wirklich Stücke von großer Schönheit und da Steve ein Jazzkomponist ist, schreibt er stets mit der Improvisation im Hinterkopf. ...Um ein gutes Solo spielen zu können, muss man eine Form haben, die Sinn ergibt, sodass man einfach und unbewusst Ideen entwickeln kann. Seine Songs sind einfach gut zum Improvisieren."

John Scofield
John Scofield: Swallow Tales (Foto: Roberto Cifarelli/ ECM Records)
John Scofield (vorne), Bill Stewart und Steve Swallow (danhinter) Roberto Cifarelli/ ECM Records

KeinePatina angesetzt

Manche dieser Stücke sind mehr als 50 Jahre alt. Doch sie haben keinerlei Patina angesetzt. John Scofield hat neun Kompositionen aus all diesen Jahren für die Aufnahme im letzten Jahr in New York heraus gesucht:

„Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich genau die Songs ausgewählt habe, die ich am besten kenne. Wahrscheinlich habe ich sie gewählt, weil ich sie von Anfang an kannte.
Ich habe so viele Jahre mit ihnen verbracht, dass es sich fast so angefühlt hat, als würde ich ein Album mit Standards machen.“

John Scofield

Nun könnte man angesichts des Alters der drei Musiker, Steve Swallow ist 79, John Scofield 68 und Bill Stewart 53, annehmen, sie würden es ruhig angehen lassen. Doch keine Spur davon: Die gespielte Musik wirkt ausgesprochen lebendig und strahlt.

So entspannt, so groovend, so überzeugend lässig

John Scofield hat Stücke ausgewählt, die Swallows ganzes Schaffen widerspiegeln: ruhige Balladen, tanzende Walzer, quirlige rockige Nummern. Man kann Anklänge an Folkmusic und auch an klassische Musik entdecken. Steve Swallows Songs sind so entspannt, so groovend, so überzeugend lässig interpretiert, dass man sie gerne immer wieder hört.

„Wenn man Jazz spielt, dann spielt man Geschichte, dann spielt man seine eigene Geschichte, aber deine Geschichte ist die Geschichte der Musik, wie du sie kennst, es ist die Musik, die du liebst, die du versuchst, dir einzuverleiben und zu imitieren.

John Scofield

Ich bin zuallererst ein Musikfan und ich liebe Jazz und andere Musikformen, habe vielen Künstlern zugehört und habe von vielen Leuten gestohlen. Und das zeigt sich, wenn du Jazz spielst. Du wirst hoffentlich eine Quelle der Musikgeschichte.“

John Scofield

In der Tat: John Scofield, Steve Swallow und Bill Stewart haben hier Jazzgeschichte geschrieben. Diese Musik wird nie alt werden.

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