Grammy Awards 2022

Den Grammys gelingt, was die Oscars versäumten

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In Zeiten des Kriegs in der Ukraine zeigt die Musikbranche Solidarität – Gastauftritte von ukrainischen Künstler*innen und eine Videoansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj prägen die Gala, als deren großer Gewinner der US-amerikanische Musiker Jon Batiste hervorgeht.

Die ukrainische Dichterin Ljuba Jakimtschuk (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Invision/AP)
Die ukrainische Dichterin Ljuba Jakimtschuk, erst vor wenigen Tagen aus der Ukraine geflohen, trug Auszüge aus ihrer Vater-Unser-Version vor. picture alliance/dpa/Invision/AP

Der ukrainische Präsident richtet eine Videobotschaft an das Publikum der Grammys

Nachdem die Oscar-Verleihung in der vergangenen Woche trotz großer Erwartungen im Vorfeld die Thematik des Ukraine-Krieges nahezu gänzlich ausblendete, setzte die Musikbranche bei der 64. Verleihung der Grammy Awards, die erstmals in Las Vegas stattfand, gleich mehrere Zeichen.

Es war mucksmäuschenstill im Saal, als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per aufgezeichneter Videobotschaft zugeschaltet wird. Seine Ansprache, in der er um Unterstützung für sein Land bat, berührte und bezog sich auch direkt auf die Musik: Nichts sei gegenteiliger zu Musik als die „Stille von zerstörten Städten und getöteten Menschen“, so der ukrainische Präsident. Russland bringe „mit seinen Bomben eine schreckliche Stille“ in die Ukraine. „Füllt die Stille mit eurer Musik, füllt sie heute, um unsere Geschichte zu erzählen.“

Here is Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy's pre-taped speech at the #Grammys, introducing a performance for Ukraine from John Legend: "Our musicians wear body armor instead of tuxedos. They sing to the wounded in hospitals." https://t.co/rjX2S54hkr https://t.co/43fcZTrjQK

Dann tritt John Legend am Klavier, gemeinsam mit der ukrainischen Harfenistin Siuzanna Iglidan, der ukrainischen Sängerin Mika Newton und der ukrainischen Dichterin Ljuba Jakimtschuk auf. Ein ergreifender Moment, der die Veranstaltung prägt. Legend performt seinen Song „Free“, dessen Musik im Hintergrund mit Bildern des Kriegs untermalt wird.

Der Abräumer des Abends ist Jon Batiste

Der Jazz- und R&B-Musiker Jon Batiste ging mit gleich elf Nominierungen als haushoher Favorit ins Rennen um die Grammophone. Fünf Preise konnte er am Ende mit nach Hause nehmen, darunter den Grammy für das Album des Jahres mit „We Are“. Er gewann zudem die Grammys für die Beste American-Roots-Performance, den Besten American-Roots-Song, das Beste Musikvideo und gemeinsam mit Carlos Rafael Rivera für die Beste Filmmusik für visuelle Medien. Erst 2021 erhielt Batiste den Oscar für die Beste Filmmusik zu „Soul“.

Obwohl Batistes Album in den Billboard-Charts nicht allzuhoch platziert war, umjubelten die Kritiken das Werk des Künstlers.

Jon Batiste (Foto: IMAGO, IMAGO/UPI Photo)
Jon Bastiste gewann gleich fünf Preise: darunter auch den für das Album des Jahres. IMAGO/UPI Photo

Außerdem mehrfach ausgezeichnet wurde die Pop-Newcomerin Olivia Rodrigo, die im vergangenen Jahr ihr Debutalbum „Sour“ vorstellte und vor allem mit der Ballade „good 4 u“ für einen Hit sorgte. Die 19-Jährige begann ihre Karriere als Moderatorin auf dem Disney Channel und wurde nun unter anderem als beste neue Künstlerin ausgezeichnet.

Die Band Silk Sonic der R&B-Sänger Bruno Mars und Anderson .Paak wurde für ihre Single „Leave The Door Open“ mit dem Grammy für den Song des Jahres geehrt.

Foo Fighters schreiben in Abwesenheit Grammy-Geschichte

Nach dem plötzlichen Tod ihres Schlagzeugers Taylor Hawkins waren die Foo Fighters, die ursprünglich auftreten sollten, nicht bei der Verleihung anwesend. Neben der Kategorie Bestes Rockalbum für „Medicine at Midnight“ setzten sie sich auch mit dem Besten Rocksong „Waiting On a War“ und der Besten Rock-Liveperformance durch. Sie sind nun Redkord-Preisträger in der Kategorie Bestes Rockalbum, insgesamt konnten sie bereits 15 Grammys verbuchen.

Nachdem die Kritiken für das Album eher durchwachsen waren, wirkt die dreifache Auszeichnung der Band mehr wie eine posthume Ehrung von Taylor Hawkins, als eine tatsächliche Honorierung der Leistung. Hawkins wurde bei der Preisverleihung mit einem Video gedacht. Auch Sängerin Billie Eilish gedachte dem Schlagzeuger – mit einem Shirt, geziert von Hawkins' Konterfei.

Billie Eilish bei ihrer Perfomance von „Happier than ever“ (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Chris Pizzello/Invision/AP)
Bei der Performance ihres Songs „Happier than ever“ erinnerte Sängerin Billie Eilish mit einem Shirt an den kürzlich verstorbenen Foo Fighters-Schlagzeuger Taylor Hawkins. picture alliance / Chris Pizzello/Invision/AP

Die Gala war ursprünglich für den 31. Januar geplant, wurde dann aber wegen der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus verschoben und von Los Angeles nach Las Vegas verlegt. Moderiert wurde die fast vierstündige Gala von Comedian Trevor Noah.

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