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6:00 Uhr
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SWR2

Auschließlich elektronische Instrumente, mit Anklängen an die erfolgreichen Lieder der 80er und 90er-Jahre: Die Pet Shop Boys haben mit dem Album „Hotspot“ eine Hommage an Berlin veröffentlicht, mit warmen, fast analogen Klängen und politischen Texten – Pop in Perfektion, abseits der aktuellen Charts.

Kopieren die Pet Shop Boys sich selbst?

Großstadtgeräusche und Dancebeat, dann Neil Tennant in fatalistischem Tonfall - genauso haben die Pet Shop Boys doch vor Mitte der 80er bei „West End Girls“ und „Suburbia“ und „It’s a Sin“ geklungen! Der Song „Hoping For A Miracle“ hat exakt denselben melancholischen Ton wie 1990 ihr vielleicht bester Song „Being Boring“.

Kopieren die Pet Shop Boys sich jetzt selber? Na, sagen wir: zitieren. Aber eigentlich spielen sie vor allem ihre Stärken aus. Da ist die ungenierte Liebe zur großen Melodie und zu großen Sounds; die ungebrochene Faszination für Nachtleben und Dancefloor; der unbedingte Stilwille und der unaufdringliche Gesang, so dass sie bei aller Opulenz nie kitschig werden.

„Hotspot“ als letzter Teil einer Triologie

Heute denkt man bei dem Wort „Hotspot“ an kostenloses WLAN, früher nannte man in England so auch einen angesagten Club. Das Album bildet den Abschluss einer Trilogie; „Electric“ und „Super“ hießen die Vorgänger (die Pet Shop Boys sind Meister des prägnant schillernden Albumtitels).

Was diese drei nun verbindet, ist erstens der Produzent, Stuart Price – der schon vor 15 Jahren etwa auch das letzte richtig gute Madonna-Album betreute – und: dass ausschließlich elektronische Instrumente im Studio zugelassen waren – Keine Gitarre, kein Orchester. Bei Teil eins und zwei hatte das recht kühl und digital gewirkt, hier ist es anders.

Hommage an Berlin

Die Pet Shop Boys haben seit langem eine enge Verbindung zu Berlin, wo sie auch eine Wohnung besitzen, haben das ganze Album dort geschrieben und waren auch in den Hansa Studios, so wie Depeche Mode oder David Bowie vor ihnen.

Da stehen alte Synthesizer, die sie teils auch noch durch Verstärker geschickt und mit dem Mikrofon aufgenommen haben - und das sind keine audiophile Spinnereien. Warm, analog, lebendig klingt die Musik. Was natürlich erst die halbe Miete wäre, aber Neil Tennant und Chris Lowe schreiben auch immer noch exzellente Songs, die wirklich was erzählen.

Themen: Flüchtlingskrise, schüchterne Jungs und Berlin

Die Single „Dreamland“ mit Gastsänger Olly Alexander von der jungen Band Years & Years beschreibt einen Vergnügungspark bei London – aber eben auch ein „Traumland“ vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise.

„I Don’t Wanna“ porträtiert einen schüchternen Jungen, der sich nicht traut, tanzen zu gehen. You Are The One“ ist ein idyllischer Ausflug an einen der vielen Seen im Umland von Berlin.

Im Song „Will-o-the-wisp“ rumpelt tatsächlich die Berliner U1 von der Uhlandstraße im Westen bis zur Warschauer Straße im Osten; vor allem am Wochenende von jungen Partygängern bevölkert. Ob die viel Pet Shop Boys hören? Wer weiß. Aktuelle Charts-Trends ignorieren Tennant und Lowe längst, sodass große Hits für Sie kaum mehr drin sind. Trotzdem ist dies: Pop in Perfektion.

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