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Der Jazz-Pianist Brad Mehldau zählt zu den Großen seines Fachs. Mit seinen Kompositionen begeistert er ein Publikum, das weit über die Szene hinaus reicht. Die Zeit der Corona-Pandemie verbrachte Mehldau wie viele in seinem Homeoffice in der Nähe von Amsterdam. Dort ist ein Zyklus von Klavierstücken entstanden, die der Pianist nun beim Label Nonesuch veröffentlicht hat. Eine bemerkenswerte und außergewöhnliche Produktion, erschienen als digitales Album und – in kleiner Auflage – handsigniert auf Vinyl.

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„Hi everybody, it’s Brad Mehldau here ..."

Wie die Ruhe in Person sitzt Brad Mehldau an einem großen Konzertflügel und erklärt seine Intentionen zum neuen Album. Eine Suite für Klavier solo, die aus zwölf kurzen Stücken besteht, habe er komponiert und daran noch drei Cover-Versionen als Zugabe drangehängt. Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen seien dafür der entscheidende Auslöser gewesen, erklärt Mehldau.

„Viele Musikerinnen und Musiker erleben gerade sehr schwere Zeiten, denn von einem auf den anderen Moment sind ihre Einnahmen weggebrochen. Viele überleben schon im Normalfall nur von Auftritt zu Auftritt.“

Brad Mehldau

Die Organisation „Jazz Foundation of America“ unterstütze nun notleidende Künstler*innen finanziell, damit diese zumindest ihre Miete zahlen könnten, erzählt Mehldau. Er kenne und schätze ihr Engagement schon seit Jahren. Alle an dem CD-Projekt beteiligten Musiker*innen haben sich deshalb entschlossen, sämtliche Einnahmen dieser Organisation zu spenden.

Brad Mehldaus Suite ist weit mehr als ein Schnellschuss. Ihm ist ein Meisterwerk gelungen, ein hochkonzentriertes Stück mit Tiefgang. „Keeping distance — Abstand halten“ ist einer der Titel überschrieben. Bei Brad Mehldau klingt das so, als ob zwei, die eigentlich zusammen sein wollen, immer wieder auseinanderstreben.

Stücke mit aktuellem Bezug zum Hier und Jetzt

Die Suite ist im Homeoffice entstanden. Eines der Stücke ist der familiären Harmonie gewidmet, ein anderes soll gegen Schlafstörungen wirken. Alle haben einen aktuellen Bezug zum Hier und Jetzt — so auch „remembering before all this“.

Brad Mehldau, „Suite: April 2020" (Foto: Nonesuch Records)
Brad Mehldau, „Suite: April 2020" Nonesuch Records

„Ich hatte plötzlich ein sehr intensives Gefühl aus der Zeit vor der Pandemie, als alles noch im Lot war. Ich war gut gelaunt mit meinem Trio unterwegs, aber Mitte März mussten wir die Tour von einem auf den anderen Tag abbrechen. Die Erinnerung daran macht mich schon ziemlich melancholisch.“

Brad Mehldau

„April 2020" gehört zum Besten, was man in Corona-Zeiten auflegen kann

„Lass Dich von all dem nicht runterziehen“ — dieses Zitat aus einem Song von Neil Young und die Cover-Version von Brad Mehldau schweben wie ein Motto über dem aktuellen Album. „April 2020" gehört jedenfalls zum Besten, was man in Corona-Zeiten auflegen kann. Neben der sehr sorgfältig editierten digitalen Version ist beim Label Nonesuch auch eine kleine Auflage handsignierter Schallplatten erschienen. Nicht nur Sammler*innen sollten die Ohren spitzen.

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