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Der indische Perkussionist Trilok Gurtu hat ein aufwendig produziertes Album vorgelegt. Annie Lennox, Pat Metheny oder John McLaughlin – niemand wollte auf seine Kunst als Perkussionst verzichten. Das neue Album hat er selbstbewusst „God is a drummer“ überschrieben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Keine halben Sachen

Am vornehmen Berklee College of Music wurde Trilok Guru nicht aufgenommen. Als ihm später die Ehrenmitgliedschaft angeboten wurde, lehnte er sie lächelnd ab. Da war der indische Perkussionist, Sänger und Komponist schon ein berühmter Künstler.

Schon nach den ersten Takten der neuen CD ist klar: Trilok Gurtu macht keine halben Sachen. Energiegeladen bis in die Haarspitzen treibt der Perkussionist sein kleines Ensemble voran. Der Trompeter Frederik Köster kann abheben und Posaune und Keyboard mischen kräftig mit - während Trilok Gurtu die rasende Fahrt mit einer ganzen Batterie von Schlaginstrumenten unter Strom hält.

„Irgendjemand hat einmal behauptet, ich sei der Gott der Perkussionisten, aber mein Geschäft ist einfach die Musik. Das Schlagzeug ist dabei nur Mittel zum Zweck.”

Trilok Gurtu

No-Name aus indischer Musikerdynastie

Trilok Gurtu ist 1951 in Bombay zur Welt gekommen und entstammt einer berühmten indischen Musikerdynastie. Sein Tabla-Spiel war von jungen Jahren an herausragend, aber auch mit westlicher Musik kam er früh in Berührung. Schon mit 21 Jahren tourte Gurtu als Mitglied einer Band durch Europa, doch als Künstler war er noch ein No-Name, den niemand groß beachtete. Es dauerte viele Jahre, bis sich der Perkussionist mit seinem unvergleichlichen Stil in der Musikszene etablierten konnte.

„Für uns in Indien besteht neunzig Prozent aller Musik aus Improvisation. Aber niemand käme aber auf die Idee, sie deshalb „Jazz“ zu nennen. Unsere Musik wird von einem spirituellen Geist getragen. Wenn ich selbst spiele, vergesse ich jedoch die Unterschiede zwischen den Kulturen. ”

Trilok Gurtu

Von aufwendig bis verspielt

Trilok Gurtu ist ein sehr experimentierfreudiger Künstler. Unter diesem Vorzeichen kann man auch sein Konzeptalbum „God is a Drummer“ in vollen Zügen genießen. Zum einen verneigt sich der Perkussionist mit aufwendigem Orchestersound vor Mentoren und Weggefährten. Dem gegenüber stehen kleine Ensemble-Werke, bei denen Gurtu auch verspielt mit Klang-Elektronik arbeitet.

Detailverliebte Qualität

Die CD, die das Label Jazzline verantwortet, ist sehr aufwendig und geradezu detailverliebt produziert. Die Junge Norddeutsche Philharmonie lieferte den Soundtrack für die orchestralen Stücke, die Sängerinnen und das kleine Jazz-Ensemble nahmen ihre Zutaten zu anderen Zeiten an ganz anderen Orten auf. Dann fügte Trilok Gurtu in einem kleinen Studio in Italien aus tausend Puzzle-Stücken dieses Meisterwerk zusammen. Kleine Solo-Stücke für Tablas trennen eine abwechslungsreiche Porträt-CD, die mit einer symphonischen Hommage an Gurtus Wahlheimat Hamburg endet.

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