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Akkordeon und Saxofon sind keineswegs Instrumente, die sich von Natur aus sehr nahe stehen und auch im Jazz ist diese Formation eher eine Ausnahme. Als Duo Furore gemacht haben allerdings die beiden Franzosen Vincent Peirani und Émile Parisien, die mit „Abrazo“ eine neue Produktion vorlegen.

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Frühe Musikprägung

Gleich mit dem ersten Stück auf der neuen CD stellen Vincent Peirani und Émile Parisien ohne Wenn und Aber unter Beweis, warum sie als Ausnahme-Duett gelten. Zwischen Akkordeon und Saxofon passt schlicht und ergreifend kein Blatt Papier. „Abrazo“ haben die beiden die Produktion überschrieben, was so viel wie Umarmung bedeutet.

Die Lebensläufe der beiden Künstler kreuzten sich erst im Erwachsenalter, doch zeigen sie interessante Parallelen bereits in der Jugend. Vincent Peirani wurde 1980 in Nizza geboren. Als er elf Jahre alt war, überredete Monsieur Papa den Hyperaktiven, sich doch am Akkordeon auszutoben. Émile Parisien ist zwei Jahre jünger und stammt aus der Stadt Cahor. Sein Vater fixte ihn im gleichen Alter mit der richtigen Musik an.

„Meine Eltern und ganz besonders meine Vater waren große Jazz-Fans. Jeden Sonntagmorgen hat er uns geradezu rituell um 10 Uhr mit einer Schallplatte von Art Blakey und den Jazz-Messengers geweckt. Ich habe dann stets lauthals mitgesungen.“

Émile Parisien

Aller Anfang ist schwer

Der Saxofonist und der Akkordeon-Spieler haben ganz unabhängig voneinander Karriere gemacht. Im Quartett des Schlagzeugers Daniel Humair lernten sie sich vor knapp zehn Jahren kennen und wollten unbedingt etwas Eigenes auf die Beine stellen. Im Duett gaben sie ein erstes Konzert. Laut eigener Aussage ein „désastre total“.

Doch die beiden sind Perfektionisten und 2014 stand beim Label ACT eine erste CD auf dem Plan. Da hatte der Produzent Siggi Loch noch großen Einfluss, erinnert sich Vincent Peirani. Sie hatten zwar so etwas wie ein eigenes Repertoire, meint Vincent Peirani, aber es war noch überschaubar und nicht sehr tragfähig.

Also drängte er sie das Album teilweise als Hommage dem Saxofonisten Sidney Bechet zu widmen. Anfangs wenig begeistert, fanden sie bei der Auseinandersetzung mit den Originalen dann den Weg in ein ganz spezielles Universum.

„Damit hatten wir auch den Dreh raus, viel mehr für das Duett zu adaptieren.“

Émile Parisien

Betörend schön

In den letzten Jahren haben Vincent Peirani und Émile Parisien mehr als sechshundert Konzerte gegeben. Das Akkordeon in den Händen von Peirani ist ein wahrer Blasebalg der Hölle, jede Sekunde scheint bei ihm ein anderer Funke zu zünden. Dem steht Émile Parisien in nichts nach. Beide können aber nicht nur schneller, höher, weiter – sie spielen auch einfach betörend schön.

Mit der neuen CD klettern Vincent Peirani und Émile Parisien auf dem Gipfel der Duett-Kunst. Ihr Spiel ist immer noch von unbekümmerter Frische und ein famoser Tanz auf Messers Schneide. Eigenes und Angeeignetes wird unverwechselbar präsentiert.

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