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Michael Olatuja ist in der Musikszene New Yorks eine feste Größe. Er spielt gleichermaßen brillant auf dem E-Bass wie auf dem klassischen Kontrabass und hat sich als Sideman in den unterschiedlichsten Formationen bestens bewährt. Für seinen „Cinematic-Afrobeat“ hat sich der in London geborene und in Nigeria aufgewachsene Künstler viel Zeit genommen. Nun ist sein packendes und aufwändig komponiertes Album beim Label Whirlwind Records erschienen.

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Kleinteilige Aufnahmen seit 2015

Gleich die ersten Takte der CD „Lagos Pepper Soup“ klingen nach überschäumender Freude und Glück. Der Bassist Michael Olatuja jagt mit den Fingern über die Saiten. Ganz so, als sei der kurze Opener ein Statement: Schaut her, ich habe es trotz aller Schwierigkeiten geschafft, nach Jahren ist meine CD am Start. Niemand wollte es so recht glauben, aber es ist vollbracht.

Der Weg dahin sei weit und nicht ganz einfach gewesen, erzählt Michael Olatuja. Die Arbeit am Studioalbum wäre sehr aufwendig gewesen und die ersten Aufnahmen hätten bereits im August 2015 in New York stattgefunden.

„Wir haben jeden Song sehr kleinteilig aufgenommen, das hat dann halt gedauert. Zuerst kam die Rhythmusgruppe, je nach Verfügbarkeit die Sänger und später erschienen noch einige Streicher im Studio. So ging das über eine sehr lange Zeit für dieses Album."

Michael Olatuja

Fünf lange Jahre blieb Michael Olatuja am Ball. Für die zwölf Stücke des Albums mobilisierte er über fünfzig Musikerinnen und Musiker. Es sind bekannte Namen dabei wie etwa der Gitarrist Lionel Loueke oder die Jazz-Sängerin Diane Reeves.

Ein speziell kreierter Sound: „Cinematic-Afrobeat“

Musikalisch kommen sie alle aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen. Michael Olatuja ist es aber gelungen, einen ganz speziellen Sound zu kreieren, der nach mächtigem Breitwand-Sound klingt. Der Bassist nennt ihn selbstbewusst „Cinematic-Afrobeat“.

„Das Album soll die Reise reflektieren, die ich seit meiner frühesten Jugend erlebt habe. Geboren bin ich in London und dort spielte ich auch schon sehr früh Schlagzeug. Dann zog meine Familie nach Nigeria und Lagos wurde der Schmelztiegel aller weiteren Erfahrungen.
14 Millionen Einwohner hat die Metropole und man konnte Wochen und Monate damit verbringen, die unterschiedlichste Musik zu erleben. Heute lebe ich in New York und da ist es ähnlich.“

Michael Olatuja

Als Bassist war Michael Olatuja in einem Broadway-Orchester engagiert, er wirkte bei Filmmusiken mit und war Sideman in vielen Jazz-Bands:

„Irgendwann hatte ich das sichere Gefühl, mein eigenes CD-Projekt an den Start bringen zu müssen".

Michael Olatuja

Der treibende Rhythmus ist in vielen Stücken markant, aber Michael Olatuja hantiert auch sicher mit der großen Klangpalette. Seinen Werken hört man den Einfluss der Filmmusik an. So scheut er keineswegs den Einsatz von Streichern nebst Backgroundchor. Diese Bandbreite spiegelt seinen Wunsch nach einem neuen kreativen Sound wider.

„Ich wollte natürlich auch ein Album produzieren, auf dem ich so farbig und intensiv wie möglich meinen Bass spiele. Das ist hoffentlich gelungen, ebenso der Traum, so viele musikalische Freundinnen und Freunde wie möglich zu integrieren. Und dann stand da natürlich über allem der Wunsch, einen neuen Sound zu kreieren."

Michael Olatuja

Obwohl Michael Olatuja für sein Album viele Jahre brauchte, klingt es sehr packend und ist stringent durchkomponiert. Mit der nötigen Schärfe mundet die „Lagos Pepper Soup“ jedenfalls vorzüglich.

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