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Vor ein paar Jahren gelang der Französin Camille Bertault mit einem auf Facebook veröffentlichten Video ein ganz großer Wurf. Über 700.000 Mal wurde es abgerufen, wie die virtuose Stimmakrobatin instrumentale Jazz-Standards von John Coltrane interpretierte. Mit ihrer neuen CD „Le Tigre“ beweist Camille Bertault einmal mehr, dass sie für eine Überraschung gut ist.

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Tigertraum

Etwas träge und verschlafen liegt der Tiger, von dem Camille Bertault hier singt, auf einer Lichtung und träumt in den Tag hinein. Man weiß nicht so recht, was in seinem Kopf herumgeistert. Döst er nur vor sich hin oder wartet er auf den Einbruch der Nacht, um zum todbringenden Jäger zu werden? Für ihr neues Album „Le Tigre“ hat die Künstlerin alle Texte selbst geschrieben und auch bei der Auswahl des Ensembles für die Produktion gab sie den Ton an.

„Das sind diesmal wirklich Menschen, mit denen mich eine ganz besondere Zuneigung verbindet. Deshalb habe ich mich auch sehr darauf gefreut, gemeinsam mit ihnen in ein Studio zu gehen.“

Camille Bertault

In der Nähe von Paris wurde eine ganze Woche lang aufgenommen, und zwar in einer absolut entspannten Atmosphäre, erzählt sie. Zuerst einmal wurden alle Stellwände aus dem Studio entfernt, die normalerweise die Künstler*innen voneinander trennen und so konnte der Raum in ein gemütliches Zuhause verwandelt werden.

Der Rhythmus macht den Text

Camille Bertault, die nach ihrem virtuosen Debüt schon mal als „Singvögelchen aus Paris“ abgestempelt wurde, beweist mit ihrer neuen CD, dass sie durchaus den Tiger im Tank hat. Dabei kommt sie meistens über den Rhythmus zum Text. Nur so kann sie spüren, was sie sagen will, wobei die Harmonien erst ganz am Ende zum neuen Song hinzugefügt werden — etwa auch bei ihrem ironischen Song über die tägliche „To-Do-Liste“ erfolgreicher Frauen. Das dazugehörige Video kombiniert im Hochkant-Format eine Fülle an frechen Instagram-Filtern und -Effekten.

Raus aus der Komfortzone

Am neuen Album hat der amerikanische Trompeter und Arrangeur Michael Leonhart entscheidend mitgewirkt. Ihm ist das neue Klangkostüm zu verdanken. Darin verlässt Camille Bertault elegant ihre bisherige Komfortzone, den Jazz.

Der frische Sound tut dem Album ungemein gut und die Sängerin bringt das Potenzial ihrer Stimme facettenreich ein. Drei bis viermal im Jahr konsultiere sie einen Gesangspädagogen, sie möchte, dass sich ihre Stimme weiterentwickele, so Bertault.

„Das hat gerade in den letzten zwei, drei Jahren auch sehr gut geklappt. Ich lerne wirklich, indem ich die Dinge tue.“

Camille Bertault

Selbstbewusster eigener Weg

Mit ihrem neuen Album weicht Camille Bertault mutig vom vorgezeichneten Pfad ab. Mit den eigenen Texten und Songs kommt auch ihre Persönlichkeit mehr zum Tragen. Der Französin ist mit „Le Tigre“ fraglos eine hörenswerte Überraschung gelungen zumal an ihrer Seite ein hervorragendes Ensemble agiert.

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