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Bob Dylan, fast 80 Jahre alt und immer noch einer der wichtigsten Stimmen der Rock- und Popmusik Amerikas, bringt sein neues Album heraus: „Rough and Rowdy Ways“. Zum ersten Mal seit 2012 gibt es neue Songs des 2016 zum Literaturnobelpreisträger gekürten Königs der Singer-Songwriter.

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Bob Dylan (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: dpa, Domenech Castello)
Foto: dpa, Domenech Castello

Vom ersten Takt an sieht man ihn förmlich vor sich: Wie er mit seinem breitkrempigen Hut und dem Menjou-Bärtchen in einem etwas zu weit geschnittenen Anzug an der Theke eines Blues-Joints lehnt, irgendwo in den Weiten Amerikas, und aus seinem langen Leben erzählt.

Das, was Bob Dylan zu sagen hat, das singt er

So wie Shakespeares Worte auf einer Bühne gesprochen werden müssen, so müsse das, was er zu sagen hat, gesungen werden, sagt Dylan. Auf „Rough and Rowdy Ways“ hat er viele Geschichten zu erzählen. Die Stimme des 79 Jahre alten Bob Dylan klingt eigentlich wie immer, auffällig ist aber, das viele der neuen Songs vom Sterben handeln – das eigene, aber auch das von John F. Kennedy.

Alter und neuer Protest gegen Rassismus

Kennedy wurde 1963 ermordet, in dem Jahr, in dem der unbekannte Folksänger namens Bob Dylan einen Song gegen Rassismus und Gewalt gegen Schwarze aufnahm: „The lonesome Death of Hattie Carroll“.  Knapp 60 Jahre später klagen Demonstranten in den USA dasselbe Unrecht an. Politischer Protest zu Corona-Zeiten.

Songs schon im Vorfeld veröffentlicht

Drei Songs seines neuen Albums hatte Dylan bereits im Vorfeld veröffentlicht: Das mit fast 17 Minuten Laufzeit längste Dylan-Stück „Murder Most Foul“, die Ballade „I Contain Multitudes“, das im klassischen Gitarrenblues-Stil gehaltene sechsminütige „False Prophet“.

Seine „Never-Ending-Tour“ — so nennt er selber die Endlos-Tournee, auf der er sich seit Jahren befindet — war zum Stillstand gekommen. Im Hausarrest in Malibu vertrieb sich der Altmeister die Zeit mit Geschichtenerzählen.

 Nachdenken über das Ende

Dylan sinniert darüber, wie man sich auf den Tod vorbereitet. Wie man seine Angelegenheit in Ordnung bringt und Frieden schließt. Vor dem Hintergrund der Corona-bedingten Massenarbeitslosigkeit reflektiert er darüber, inwieweit Menschen in rauen Zeit Trost in der Musik finden können.

 Dylans kreative Energie im 80. Lebensjahr ist geradezu beängstigend.

In seltsamem Kontrast zur Endzeit-Stimmung vieler Texte klingen die Aufnahmen für „Rough and Rowdy Ways“ wunderbar frisch. Dylan singt gelassen und melodiös, weit weg vom heiseren Krächzen vieler seiner jüngeren Konzerte. Seine Begleitband arbeitet einen ganzen Katalog amerikanischer Musik ab: Chicago Blues, Nashville Country, Memphis Rock’n Roll. Dylans kreative Energie im 80. Lebensjahr ist geradezu beängstigend.

 

Kulturmedienschau Begeisterung für Bob Dylans neues Album | 19.6.2020

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