Pop

Konsequente Kompromisslosigkeit: Auch Björks neues Album ,,Fossora“ passt in keine Schublade

STAND
AUTOR/IN
Christiane Falk
KÜNSTLER/IN
Björk

Das Gefühl des Landens und damit des Ankommens machte Björk zum Thema des Albums. „Fossora“, eine von ihr erfundene weibliche Form des Wortes „Fossore“ bedeute, „Frau, die mit Füßen in der Erde gräbt“. Björk wandte sich von allem ab, was Musik zugänglich macht. Auch ihr neues, insgesamt zehntes Album „Fossora“ ist ein Kunstwerk fernab der Konventionen.

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Der Segen der Sesshaftigkeit

Ihr Gemütszustand sei bei den Aufnahmen zu „Fossora“ positiver gewesen als bei den beiden Alben davor, erklärt Björk. Die Trennung des Partners hatte sie vor sieben Jahren musikalisch verarbeitet, die Heilung des Seelenlebens im darauffolgenden Album thematisiert.

Diesmal nun änderten sich die Lebensumstände. In der Corona-Zeit lebte Björk dauerhaft in ihrer Heimat Island und spürte nach Jahrzehnten des ewigen Umherreisens erstmals wieder, wie es ist, an einem Ort sesshaft zu werden.

Techno-Rave mit Pilzen

Täglich habe sie in der Zeit in Island Schokoladenpudding gegessen, habe Körper und Geist runterfahren können und begonnen, sich für Pilze und ein spezielles Holzblasinstrument zu interessieren. Das Gefühl des Landens und damit des Ankommens machte sie zum Thema des Albums.

„Fossora“, eine von ihr erfundene weibliche Form des Wortes „Fossore“ bedeute, „Frau, die mit Füßen in der Erde gräbt“. Im Videoclip zu „Atopos“ begibt sie sich maskiert unter die Erde und feiert und tanzt in einer Welt voller Pilze mit ihren Musikern wie auf einem Techno-Rave.

Beschwipste Beschwingtheit

Für „Fossora“ hat Björk Arrangements für ein Bassklarinetten-Sextett geschrieben und den Musikerinnen und Musikern den Auftrag erteilt, so zu spielen, als hätten sie exakt eineinhalb Gläser Rotwein getrunken. Nicht Weißwein, nicht Rosé, nicht ein oder zwei Gläser.

Die Sechs sollten spielen, als spürten sie die Leichtigkeit, die sich gewöhnlich nach dem Genuss von exakt eineinhalb Gläsern Rotwein einstellt, die aber noch genug Konzentration ermöglicht, um präzise zu spielen.

„Fossora“ lässt sich nicht einordnen

Das Ergebnis klingt teilweise bombastisch – immer dann, wenn die Bläser auf elektronische Klänge treffen und Björk die Wörter ausspuckt und bedrohlich das „R“ rollt. Erholsamer wird es, wenn das Sextett fernab von Beats im Vordergrund steht und Björks sanfte Gesänge begleitet.

Björk hat mit „Fossora“ ein weiteres Album aufgenommen, das sich musikalisch nicht einordnen lässt. Die musikalische Experimentierfreude scheint ihrem Verständnis nach nur ein Teil des Kunst-Kosmos´ zu sein, in dem sie sich ausdrückt.

Virtuose und konsequente Kompromisslosigkeit

Etwas zugänglicher wirkt die aktuelle Musik in Kombination mit den aufwendigen und kunstvollen gestalteten Videoclips einzelner Songs. Herausragend dabei die intensive Auseinandersetzung mit dem Tod der Mutter, die sie unter anderem im vielschichtigen „Ancestress“ direkt ansingt und sich im Video in einer Art Prozession von ihr verabschiedet.

Björk fordert in jedem Moment maximale Aufmerksamkeit und lässt ein weiteres Mal die Fans ihrer ersten drei Alben außen vor, die auf irgendeinen eingängigen, im bekannten Pop-Schemata arrangierten Song hoffen. Die virtuose und konsequente Kompromisslosigkeit ihrer Kunst bleibt einzigartig.  

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