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Vor 250 Jahren, im Dezember 1770, wurde Ludwig van Beethoven geboren. Anlass für zahlreiche Aktivitäten, die über das ganze Jahr geplant wurden, wegen der Corona-Krise aber alle erst einmal auf Eis liegen. Die Jazzrausch Bigband hat noch gerade rechtzeitig eine CD mit dem Titel „Beethoven’s Breakdown“ zum Jubiläumsjahr eingespielt. Das Ensemble ist für seinen schweißtreibenden Techno-Sound bekannt, der eben nicht mit dem Computer sondern mit dem Instrumentarium der klassischen Bigband umgesetzt wird.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Nichts für klassische Beethoven-Fans - großer Spaß für alle anderen

So manch klassischem Beethoven-Fan dürfte sich die Stirn in Falten legen wenn die Jazzrausch Bigband zu ihrer Variante der Mondscheinsonate Anlauf nimmt. Erst wird die zarte Melodie mit dem großen Blechhammer vorgeformt, dann setzt der Techno-Beat ein und vor den heimischen Lautsprechern flattert das Hosenbein.

Auf die Beine gestellt hat die Jazzrausch Bigband der Posaunist Roman Sladek während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater in München. Von Anfang an war seine klare Ansage: wir wollen mit der Big Band Techno-Beat in einem angesagten Club spielen.

"Es wird einem ständig empfohlen, wie man es anders machen könnte oder sollte und gegen diese ganzen „Abers“ und „Falls“ muss man sich wehren. Wenn man sich wirklich was dabei gedacht hat, dann hat es meistens auch Bestand gegen solche Empfehlungen, die nur Angst schüren.
Aber es zu schaffen gegen diese ständigen Beratungen macht dann irgendwo selbstbewusster. Und es schärfte auch die Band oder das Produkt oder die CD, wenn man sich überlegen muss, ist sie denn wirklich richtig so, wie sie jetzt ist."

Roman Sladek

Musikalisch unverwechselbar: die Jazzrausch Bigband

Ihre fünfzehn Mitglieder spielen mit ihren Instrumenten einen extrem schnellen, harten und energetisch aufgeladenen Techno-Sound wie man ihn normalerweise aus einem Computer kennt. Es ist faszinierend, wie sie die Herausforderungen meistern und zum Beispiel aus der siebten Sinfonie von Beethoven eine mitreißende Tanzorgie machen. Clubtauglich muss es sein, meint der Arrangeur der Bigband Leonhard Kuhn. Wenn das Publikum abschlaffe, habe er verloren.

Jazzrausch Bigband (Foto: C ACT Josy Friebel)
Jazzrausch Bigband C ACT Josy Friebel

"Ich nehme mir Inspiration von ganz verschiedenen Sachen, viel Mathematik natürlich, weil ich mich damit auskenne und das ganz spannend finde. Aber auch ganz andere Sachen. Ich habe zum Beispiel über Kunst nachgedacht und klau mir natürlich auch bei anderen ganz viel Musik zusammen."

Leonhard Kuhn

Die „Klauerei“, die Leonhard Kuhn so nonchalant anspricht, ist in Wirklichkeit eine hochkomplexe Transformation von Tradiertem in die Moderne. Bei Beethoven gelingt das der Jazzrausch Bigband mit einem rigorosen Ansatz. Der Klassiker wird entkernt und völlig neu aufgebaut.

Bigband geht rigoros mit Beethoven um

Wenn ein Largo zu schleppend daherkommt, wird ein treibender Beat eingeimpft, aus einer Sinfonie bleibt ein Erkennungsschnipsel, der Rest wird entsorgt. Die Bigband, so Leonhard Kuhn, funktioniere als Techno-Maschine fast so gut wie ein Synthesizer. Nur ab und an müssten die Fünfzehn mal kurz nach Luft schnappen.

"Aber dafür können sie halt viel einfacher Dynamik machen und Bögen einfach selber fühlen und dann spielen und ich muss es nicht groß auskomponieren sondern einfach sagen: Spiel mal!"

Leonhard Kuhn

„Beethoven’s Breakdown“ mit der Jazzrauch Bigband ist genau die richtige Scheibe zur richtigen Zeit. Normalerweise mischt die Truppe den Techno-Club Harry Klein in München auf. Der ist in Corona-Zeiten natürlich geschlossen. Mit der CD kann man allerdings mal eine Stunde lang frei von allen Sorgen munter drauflos hüpfen.

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