Jazz Archie Shepp ist Artist in Residence bei Enjoy Jazz

Von Mathias Spindler

Die US-Saxophon-Legende Archie Shepp ist "Artist in Residence" und Stargast bei Enjoy Jazz, Deutschlands größtem Jazzfestival. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Bedeutung des Jazz für eine freie und tolerante Gesellschaft. Dafür steht natürlich auch der in Paris lebende Archie Shepp.

Im Mannheimer Opernhaus interpretierte Shepp seine legendäre LP „Fire Music“ von 1965 neu. Sie wurde zur Zeit der großen Kämpfe der US-Bürgerrechtsbewegung in den Sechzigerjahren veröffentlicht. Mit SWR2 hat Archie Shepp über seine „Fire Music“ gesprochen.

Jeder Ton, den Archie Shepp auf dem Tenorsaxophon spielt, ist unverkennbar, unverwechselbar. Ein rauer Blues-Ton ist das, von einem Schmerz erfüllt, der über seine Person hinaus von den Leiden einer ganzen Bevölkerungsgruppe kündet.

"Fire Music" – Feuer des Protestes

Archie Shepp versteht sich als berufene Stimme der Afro-Amerikaner in den USA, eine spürbar gealterte Stimme mittlerweile. Der 81-Jährige bewegt sich langsam, spricht etwas mühsam. Doch nach wie vor brennt in ihm das Feuer des Protestes, das vor über fünfzig Jahren, zu Zeiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, seiner LP „Fire Music“ den Namen gab.

„The girl from Ipanema“ mit politischer Bedeutung

Da muss es verwundern, dass „The girl from Ipanema“ zum Repertoire dieser Platte gehört - ein Song über die Freuden des Strandlebens in Brasilien! Aber dafür hat Archie Shepp eine einleuchtende Erklärung: „Ich bin in Florida aufgewachsen, nur wenige Meilen vom Ozean entfernt. In den 1940er Jahren war das, und damals durften Schwarze den Strand dort nicht betreten. Schwimmen gehen war verboten für sie. Als kleiner Junge habe ich davon geträumt, an diesen Strand zu gehen, im Sand zu spielen, das Meer zu betrachten. Es war ein magischer, unerreichbarer Ort. Von daher hat 'The girl from Ipanema' sehr wohl eine politische Bedeutung für mich.“

Jazz imitiert die "Black Music" der Afro-Amerikaner

Politisch bewusst gibt sich der Saxophonist Archie Shepp auch, wenn er immer wieder das Geburtsrecht der Afro-Amerikaner an der Musik beansprucht, in deren Tradition er selbst steht. Von „Jazz“ mag er dabei nicht sprechen: „Es ist die Musik der Schwarzen. Von anderen wurde diese Musik zwar ausgiebig imitiert. Aber geschaffen wurde sie von Afro-Amerikanern.“ Eine Einstellung, die nichts zu tun hat mit rassistischem Dünkel. Zu Archie Shepps Begleitgruppe in Mannheim gehören wie selbstverständlich Musiker weißer Hautfarbe. Und mit ihnen spielt er auch den Blues.

Archie Shepp (Foto: SWR, Enjoy Jazz, Pressestelle -  ROSES/ Monette-Berthomier)
Archie Shepp beruft sich auf die Tradition der "Black Music" Enjoy Jazz, Pressestelle - ROSES/ Monette-Berthomier

Blues ist die traurige Hymne der Sklaverei

Der Blues ist für Archie Shepp die Nationalhymne der Afro-Amerikaner; entstanden in der dunklen Zeit der Sklaverei, als Ausdruck der Ausgeschlossen und Entrechteten. Archie Shepp: „That is our song. It‘s our national anthem. It comes from slavery; hard times. It‘s the feeling of being left out.“

"Hambone" ist der erste Titel auf Archie Shepps legendärer LP „Fire Music“ von 1965:

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