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„Alle am Springen und ich schrei den Refrain“: Felix Brummer alias Kummer über das Comeback von Kraftklub

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Samira Straub
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Markus Brock

Nach fast fünf Jahren ohne neue Songs ist die Rap-Rock-Band aus Chemnitz wieder da: „Kargo“ heißt das neue Album, mit dem die fünfköpfige Band ab November wieder auf Tour geht. Im Gespräch mit SWR2 erzählt Frontman Felix Brummer alias Kummer vom Erwachsenwerden, vom Leben in Chemnitz und warum es durchaus Sinn ergibt, dass Kraftklub und Tokio Hotel einen Song zusammen gemacht haben.

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Angst davor, ein Nostalgie-Lieferant zu werden

Vor genau zehn Jahren ist das Kraftklub-Debütalbum „Mit K“, benannt nach einem beliebten Rechtschreibfehler im Namen der Band, erschienen. Songs wie „Scheissindiedisko“ oder „Songs für Liam“ waren große Hits und gehören für viele zu ihrer Jugend. Doch gerade die neuen Songs machen für Frontmann Felix Brummer den Reiz aus:

„Ich habe Angst davor, dass man zu seiner eigenen Coverband wird. Dass man zu einem Nostalgie-Lieferanten wird. Ich freue mich umso mehr, wenn den Leuten die neuen Songs gefallen.“

Die Pandemie hatte einen entscheidenden Einfluss auf die neue Platte „Kargo“: Es gab zunächst keine Perspektive, Songs live zu performen – eine Perspektive, die für die Band Kraftklub immer extrem wichtig war, wie Brummer sagt: Das habe Kraftklub zunächst vom Druck befreit.

Felix Brummer bei einem Auftritt mit Kraftklub (Foto: IMAGO, imago/Manngold)
Im November führt die anstehende „Kargo-Tour“ die Band durch große Hallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zahlreiche der Shows sind schon längst ausverkauft. imago/Manngold

„Eines der zur Zeit besten Alben zur deutschen Gegenwart“: Musikrezensent Dirk Schneider bespricht das neue Album von Kraftklub:

Chemnitz ist immer wieder zentrales Thema bei Kraftklub

Die Heimatstadt der Band, Chemnitz, wurde schon auf dem ersten Album mit einem eigenen Song bedacht: In „Karl-Marx-Stadt“ setzte sich die Band erstmals kritisch mit ihrer Herkunft auseinander. Ein Thema, das auch auf dem neuen Album eine große Rolle spielt.

„Wenn man in einer Stadt wie Chemnitz lebt und nicht „lebte“, dann wird man damit nicht fertig, mit dieser Auseinandersetzung damit. Ich habe auch Angst vor diesem Punkt, mich nicht mehr damit auseinanderzusetzen und nicht mehr kritisch den Ort zu sehen, an dem ich mich aufhalte. Das wäre dann der Moment, wo man sich fügt, das alles so hinnimmt. Und das ist teilweise einfach nicht hinnehmbar, bei uns im Osten.“

Die Band Kraftklub richtete 2017 in Chemnitz das Festival "Wir sind mehr" aus (Foto: IMAGO, imago images/POP-EYE)
Rund 65.000 Menschen nahmen 2018 am von der Band Kraftklub organisierten Festival mit zahlreichen Künstler*innen #wirsindmehr am Chemnitzer Karl-Marx-Kopf teil und bekundeten Solidarität mit den Opfern von Rassismus und rechter Hetze. imago images/POP-EYE

Kein konzeptioniertes Arrangement, sondern Freunde in der Crew

Trotz aller Kritik lebt Brummer gerne dort, wie er sagt: „Ich fühl mich wohl da, sonst würde ich da nicht wohnen. Ich glaube, das kommt manchmal ein bisschen zu kurz, bei all der Kritik – die wir auch äußern. Aber wir würden da nicht wohnen, wenn wir uns nicht wohlfühlen würden.“

Deshalb stammt auch ein Großteil der Kraftklub-Crew aus dieser Stadt:

„Vermutlich wirkt es so von außen, dieses Kraftklub-Universum, als wäre das groß konzeptioniert. Aber tatsächlich, liegt es wahrscheinlich einfach daran, dass wir seit Anfang an mit einem Umfeld zusammenarbeiten, mit dem wir halt befreundet und aufgewachsen sind in Chemnitz. Die Leute, die wir mögen, mit denen arbeiten wir zusammen.“

Dankbar für das Privileg, von der Musik leben zu können

Mit einem bürgerlichen Beruf täte sich Brummer schwer – der Song „Teil dieser Band“ handelt genau davon. „Gott, ich bin jeden Tag dankbar dafür, für nen Job ohne Selbsthass und Magengeschwür“ rappt er darin kritisch über Meetings mit Chefs und steife Werbeagenturen.

Es ist aber auch ein Song, in dem er sich selbst in Erinnerung ruft, was für ein unglaubliches Glück Kraftklub haben, dass sie sehr erfolgreich das tun können, was sie lieben:

„Der Song ist auch eine Merkhilfe für mich selbst: Wenn es irgendwann wieder Clubs statt Hallen sind, habe ich immer noch den besten Job der Welt. Wenn es nur noch 2.000 Besucher*innen sind statt 20.000 kann man davon immer noch leben. Man tut immer noch das, was man liebt: Kunst und Musik.“

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