Jan Garbarek (Foto: ECM Records - Aagard)

Zum 70. Geburtstag des legendären norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek – ein Klangmaler, der Welten verbindet

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SWR2 Musikstunde, Jazz across the border

Kaum einer hat unser Bild von dem, was skandinavischer Jazz heute bedeutet, so sehr geprägt wie der norwegische Saxofonist Jan Garbarek. Er ist ein Pionier des Euro-Jazz. Anfang der 1970er Jahre gehörte er mit seinen Reflexionen über skandinavische Folklore und Balkan-Moods zu den ersten, die bewiesen haben: durch die Besinnung auf die eigenen europäischen Wurzeln kann man einen potenten Jazz machen - jenseits der Kopie amerikanischer Vorbilder.

Jeder Ton ein Kraftwerk der Gefühle

Was hat man nicht alles aus seinem Ton heraus gehört? Feuer und Eis, die Süße von Trauer und Melancholie. Jan Garbarek gilt als der überragende Klangmaler am Saxofon. Der ebenso klare wie elegische Ton von Jan Garbarek, er gehört – mit seiner jubilierenden Melancholie, mit seiner klagenden Freude – zu den persönlichsten Jazzsounds, die aus Europa kommen. Sein Saxofonspiel zeigt: es kommt nicht auf die Fülle der Noten an, sondern darauf, dass man jeden einzelnen Ton zu einem "Kraftwerk der Gefühle" macht.

Sein Geheimnis: Melos finden, das verzaubert

Jan Garbarek ist ein Zauberer der Melodie. Diese Eigenschaft – seine Fähigkeit, Klänge zu finden mit einem extrem hohen melodischen Gewicht – hat ihn schnell in Kontakt mit anderen Melodien-Magieren wie etwa den Pianist Keith Jarrett oder den Bassisten Eberhard Weber gebracht.

Jan Garbarek (Foto: ECM Records - Silvia Lelli)
Jan Garbarek spielt Jazz mit norwegischen Einflüssen ECM Records - Silvia Lelli

In Jarretts berühmtem europäischen Quartett schuf Garbarek Mitte der 1970er Jahre Juwelen eines poetisch inspirierten Kammer-Jazz.

Die Band hatte zur selben Zeit ein amerikanisches Gegenstück: Jarretts amerikanisches Quartett. Das spielte rauer, dichter, experimenteller. Garbarek aber brachte Melos und Melancholie in Jarretts Musik, einen frohlockenden Weltschmerz, der zum Markenzeichen des norwegischen Saxofonisten werden sollte.

Blick über den Tellerrand der eigenen Kultur

Aber Garbarek ist zugleich mehr als der große Meister des "Mountain Jazz". Charakteristisch für seine Musik ist, dass sie sich nicht in der Enge nordischer Fjorde einrichtet und kein nationales Süppchen kocht. Trotz aller Bezüge auf das Joiken der Samen-Folklore, auf norwegische Traditionals und skandinavische Kirchenlieder ist Garbareks Spiel universell und unvergleichlich offen geblieben.

Jan Garbarek (Foto: ECM Records - Guri Dahl)
Am 4. März feiert Garbarek seinen 70. Geburtstag ECM Records - Guri Dahl

In der SWR2 Musikstunde, Jazz across the border zeigen wir, was für ein fantastischer "world musician" Garbarek ist. Vom Jazz her kommend hat er zahlreiche Richtungen nichtwestlicher Musik für sich entdeckt. Er liebt es über den Tellerrand der eigenen Kultur hinauszuschauen, interessiert sich für Spieler, die eine vollkommen andere Herangehensweise an das Musikmachen haben.

"Was mich antreibt ist immer auch die Frage, wie nordische Folklore und die Musik des Balkans, die Musiken Kleinasiens und Indiens miteinander zusammenhängen.", sagt er. In Projekten mit Musikern aus Pakistan und Indien hört Garbarek dort weniger Trennendes, sondern vielmehr Gemeinsames und Verbindendes.

Musik, die aus der Stille atmet 

Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble (Foto: (c) Paolo Soriani ECM Records / Mosel Musikfestival -)
Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble (c) Paolo Soriani ECM Records / Mosel Musikfestival -

Sein größter Crossover-Erfolg – das Album "Officium" (1994) mit dem Hilliard Ensemble – bildete den Startschuss für viele andere Begegnungsprojekte zwischen Jazz und Alter Musik. Selten aber ist ein Dialog zwischen beiden Genres so gelungen wie in Garbareks Zusammenspiel mit diesem Vokalensemble aus drei Tenören und einem Counter-Tenor.

Er sei immer noch unterwegs und suche den Raum zwischen den Tönen, meint Jan Garbarek heute. "Stille ist das Höchste. Stille ist der Ausgangspunkt für den nächsten Ton. Aus Stille muss etwas erwachsen. Sie ist für mich der Atem der Musik."

Musiktitel in der Sendung: 
 
Emilia Giuliani:
Capriccio für Gitarre
Siegfried Schwab (Gitarre)
Traditional / Jan Garbarek:
"Weaving A Garland"
Jan Garbarek
Traditional:
"Folk Song"
Charlie Haden
Jan Garbarek
Egberto Gismonti
Jim Pepper:
"Witchi-Tai-To"
Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet
Carlos Puebla:
"Hasta Siempre"
Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet
Jan Garbarek:
"Viddene"
Jan Garbarek
Keith Jarrett:
"My Song"
Keith Jarrett  Quartet
Ustad Fateh Ali Khan:
Raga II
Jan Garbarek
K. Christobal de Morales/
arr. Hillard Ensemble-Jan Garbarek:
"Parce Mihi Domine"
Jan Garbarek/Hilliard Ensemble
Traditional / Jan Garbarek:
"Sull Lull"
Garbarek/Brahem/Hussain
 

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