Jazz „Visions" mit Melissa Aldana

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Das Tenorsaxofon ist - im Unterschied zum Sopran- oder Altsaxofon - ein rau und heiser klingendes Instrument. Im Jazz hat es sich erst relativ spät etabliert. Lange war es ein Spielzeug für Männer, aber auch immer mehr Musikerinnen entdecken das Tenorsaxofon für sich. So auch die New Yorkerin Melissa Aldana. Mit ihrer neuen CD „Visions" beweist sie, dass sie zu den stärksten Frauen am Tenorsaxofon zählt.

Eine CD für Frida Kahlo

In „Never Let Me Do" erzählt das Tenorsaxofon mit dem dunklen Timbre von Melissa Aldana hörbar eine traurige Geschichte.

Die CD „Visions“ ist als Konzeptalbum dem Leben und Schicksal der Malerin Frida Kahlo gewidmet, die nach einem Verkehrsunfall den Rest ihres Lebens unter starken Schmerzen litt und ein Stahlkorsett tragen musste. Für Melissa Aldana ist die Malerin viel mehr als eine Ikone auf einer alten Fotografie.

„Ich war schon immer von der Aufrichtigkeit ihres Werkes fasziniert", erzählt Melissa Aldana. Jedes einzelne Bild sei auf eine sehr persönliche Art mit ihrem Leben verknüpft. Das habe sie sehr inspiriert. Viel mehr als der Aspekt, dass Frida Kahlo eine Künstlerin in einer männlich dominierten Szene war.

Mehrfach ausgezeichnete Nachwuchskünstlerin

Melissa Aldana wurde 1988 in Santiago de Chile geboren. Die Stadt ist keine Jazz-Metropole, aber Melissa Aldanas Vater war ein begeisterter Saxofonist und der Funke sprang früh auf sie über.

Die Begabte studierte am Berklee College of Music und zog 2009 nach New York. Mit ihrem Tenorsaxofon gewann sie als erste Frau den Thelonious-Monk-Wettbewerb. Weitere Preise zeichneten sie als beste Nachwuchskünstlerin aus.

Balance zwischen Arbeit und Entspannung

Der Erwartungen an Melissa Aldana sind gleichermaßen in den Jazz-Himmel gewachsen, doch die 30-jährige bleibt cool.

Melissa Aldana: „Ich denke, in Balance zu bleiben und mein Leben zwischen Arbeit und Entspannung gut zu organisieren, ist das Wichtigste. Meistens übe ich zehn Stunden täglich auf meinem Instrument. Aber es hat etwas vollkommen Natürliches für mich, sich so intensiv damit zu beschäftigen."

Präsentation ausgereifter und komplexer Werke

„Visions“ ist bereits die fünfte CD, die Melissa Aldana mit eigenen Kompositionen veröffentlicht. Sie schreibt beileibe keine Gefälligkeitsstückchen, sondern komplexe und anspruchsvolle Musik.

Diesmal hat sie ein Quintett formiert. Gemeinsam mit Klavier, Schlagzeug, Bass und Vibraphon präsentiert sie ausgereifte Werke.

Freier Geist der Musiker als künstlerische Chance

Melissa Aldana: „Ich mag es überhaupt nicht, Musikern genau vorzuschreiben, was sie wie spielen sollen. Gerade ihr freier Geist ist ja eine große Chance für meine Musik.

Das gibt mir auch stets einen kräftigen Tritt in den Hintern, meine Stücke in alle möglichen Richtungen zu denken. Ich lege dann meine komplexe Ideensammlung vor und wir schauen gemeinsam, was sich daraus entwickelt."

Tiefgründige künstlerische Reflexionen

Melissa Aldana legt mit „Visions“ ein ebenso ambitioniertes wie gelungenes Album vor. Ihre Reflexionen über das Leben der Malerin Frieda Kahlo sind facettenreich und tiefgründig. Die CD ist zudem künstlerisch gestaltet und wird so dem Thema mehr als gerecht.

Besetzung

Sam Harris (Piano)
Pablo Menares (Bass)
Tommy Crane (Schlagzeug)
Joel Ross (Vibraphon)
Melissa Aldana (Tenorsaxofon)

Titelliste

1. Visions
2. Acceptance
3. La Madrina
4. Perdon
5. Abre Tus Ojos
6. Elsewhere
7. Dos Casas, Un Puente
8. Never let me got
9. The search
10. Su Trajedia
11. El Castillo de Velenje

Aufgenommen von David Stoller 2018 im Samurai Hotel Recording Studio, Astoria, N.Y.

Label: Motema
ab ca.16,99 Euro

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