Jazz Hochvirtuoser Jazz: „Spectrum” von Hiromi

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Hiromi war inspiriert, jedes Jahrzehnt ihres Lebens mit Solo-Klavieraufnahmen zu markieren. In zehn Jahren ist die Japanerin als Musikerin und Komponistin gewachsen. „Spectrum” zeigt eine ausgereiftere Herangehensweise an Songwriting und Keyboard.

Spiel nach Farben

„Ohne Inspiration läuft bei mir gar nichts“, sagt Hiromi. Und Inspirationsquellen findet sie überall – beim alltäglichen Flanieren durch eine Straße oder beim Gespräch mit einem Freund. Man muss nur mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen.

Eine von Hiromis wichtigsten Inspirationsquellen war ihre frühere Klavierlehrerin daheim in Japan. Sie brachte ihr das Spiel mit Farben bei, buchstäblich – denn sie malte ihr in die Noten: Rot stand für das Expressive in der Musik, Blau für das Melancholische, ein singendes Gesicht für das Kantable.

Chopin im Jazzclub

„Ich hab erst klassische Musik gelernt – aber meine Lehrerin war ein großer Jazz-Fan! Also hab ich schon mit acht angefangen, selbst Jazz zu hören. Und sogar in der klassischen Musik habe ich irgendwann improvisiert. Ich habe Sachen umarrangiert und nicht das gespielt, was da stand - was in dem Genre ja nicht gerade gewollt ist!”

Die klassischen Grundlagen trägt Hiromi weiterhin in sich: Der Titel „Whiteout“, also „Weißblendung“, klingt zunächst noch, als hätte sich Hiromi mit Chopin in einem Jazzclub verabredet:

„Kompositorisch habe ich viel von der Klassischen Musik gelernt – wie man ein Stück aufbaut, wie man für bestimmte Instrumente schreibt.”

Grenzenlos, geschlechtslos, alterslos

Wohin die Reise auf Hiromis neuem Album „Spectrum“ geht, wird schnell klar: Titel wie „Kaleidoscope“, „Yellow Wurlitzer Blues“ oder „Sepia Effect“ machen deutlich, dass es ihr hier – wie in den Klavierstunden früher - um das Spiel mit Farben geht. Back to the roots also. Gibt es denn auch etwas typisch Japanisches in ihren Stücken?

„Wenn ich Musik spiele, bin ich ganz bei mir – das bedeutet, dass ich mich auch irgendwo noch wie eine Japanerin fühle, denn die bin ich nun mal!”

Hiromi

Traditionsbewusster, hochvirtuoser Jazz

Neun neue Stücke hat Hiromi auf ihrem Album „Spectrum“ eingespielt – dabei greift sie auch mal auf alte Farb-Spektren zurück: Aus Gershwins „Rhapsody in Blue“ wird bei Hiromi das spritzig-witzige Medley „Rhapsody in Various Shades Of Blue“. Und auch ihre atmosphärische Hommàge an Paul McCartney’s und John Lennons „Blackbird“ hat viel Charme. Das alles ist traditionsbewusster, hochvirtuoser Jazz voller klanglicher Facetten.

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