Jazz „Bolden“ Original Soundtrack von Wynton Marsalis

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Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Die Meinungen darüber, was Buddy Bolden hauptberuftlich gemacht hat, gehen auseinander. Als erwiesen gilt, dass der 1877 in New Orleans geborene Trompeter einer der populärsten Musiker seiner Zeit war.

Der Soundtrack zum Film „Bolden“, der das Leben des Ausnahmemusikers skizziert, ist nun als CD erschienen, produziert von Wynton Marsalis.

Urvater des Jazz

„Er war die erste Person, die realisierte, dass man den religiösen Gospel-Gesang der afro-amerikanischen Community mit dem Rhythmus der Straße kombinieren musste, um etwas Neues zu kreieren, das wir heute Jazz nennen. Dazu fügte er mit Ragtime, Chorälen oder Marschmusik möglichst Gegensätzliches zusammen.“

Wynton Marsalis

Bandleader und Barbier

Buddy Bolden wurde im September 1877 in New Orleans geboren. Sein Vater starb früh und seine Schulausbildung blieb rudimentär. Bolden war aber der geborene Selfmademan. Mal hatte er als Barbier Erfolg, dann feierte man ihn als Band-Leader, der den Jazz in der Musik-Metropole etablierte.

King Bolden am Kornett

„Er sagte seinen Band-Musikern ganz genau, wie sie zu spielen hatten. Dazu übernahm Bolden die Besetzung der Marching-Bands, ließ die Klarinette das hohe Register bedienen und die Posaune den Bass. Dazu konnte er dann mit seinem Kornett wunderbar improvisieren. So etwas hatten die Leute zuvor noch nie gehört, weshalb man ihn bald auch King Bolden nannte.“

Wynton Marsalis

Die Aufnahme, die Wynton Marsalis mit seiner Band als Soundtrack produzierte, ist so brillant geworden, dass sie auch unabhängig vom Film absolut hörenswert ist.

Marsalis, der nicht nur ein exzellenter Trompeter, sondern auch ein profunder Musikforscher ist, rekonstruierte eine Fassung, in der jeder Takt mit Energie über die Rampe kommt.

Jazz bedeutet Freiheit

Der Film thematisiert auch das Umfeld, in dem Buddy Bolden Anfang des 20. Jahrhunderts seine Musik machen musste. Bolden war wie alle Afroamerikaner diskriminierenden Rassengesetzen unterworfen und suchte sein Heil im Alkohol. Vierundzwanzig Jahre vegetierte er in einer geschlossenen Anstalt und starb verarmt im Jahr 1931. Sein Grab ist unbekannt, aber seine Musik inspirierte bereits zu Lebzeiten die nächste Generation.

„Buddy Bolden hat nie jemand etwas genommen, ganz im Gegenteil, er hat uns allen ja etwas Großartiges geschenkt. Deshalb denke ich, die größte Freiheit für ihn war zu sagen: Hört her, das bin ich!“

Wynton Marsalis
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