Jazz „Activate Infinity” von The Bad Plus

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

2008 ist das kleine Jazz-Label Edition Records an den Start gegangen. Sein Ziel: hochwertige Produktionen unter fairen Bedingungen für die Künstler machen. Auch das arrivierte Trio The Bad Plus hat seine aktuelle CD mit dem Titel „Activate Infinity” über das Label Edition Records lanciert.

In alter Form trotz neuer Besetzung

Vom ersten Takt an spielt The Bad Plus so, wie man das von dem Trio gewohnt ist: druckvoll und zupackend. Dabei hat die Formation vor gar nicht allzu langer Zeit ein mittleres Erdbeben überstanden. Der Pianist Ethan Iverson, Gründungsmitglied und seit dem Jahr 2000 dabei, ging von Bord. Der Schlagzeuger Dave King und der Bassist Reid Anderson wollten dennoch weitermachen und engagierten Orrin Evans.

„Die Show sollte einfach weitergehen und wenn man sich so flexibel wie Orrin in ein Trio integriert, ist das ein Gewinn für alle. Wir wollen einfach gemeinsam gute Musik machen, das war die Ansage. Jeder weiß, was zu tun ist.”

Reid Anderson

Von ABBA über Nirvana bis zum Jazz

The Bad Plus war von Anfang kein landläufiges Jazz-Trio. Das erste Album erschien 2001 und erregte große Aufmerksamkeit. Denn die drei coverten ungeniert einen Song der Pop-Gruppe ABBA und adaptierten Musik der Rockband Nirvana. So mancher Jazz-Freund legte die Stirn in Falten, doch die Verkaufszahlen überzeugten, und das Major-Label Columbia Records nahm das Trio unter Vertrag. Es folgten viele erfolgreiche Alben, die allerdings auch immer mal wieder die Geschmackspolizei auf den Plan riefen: zu poppig, zu gefällig, zu wenig Jazz, so das Urteil.

Abwechslungsreiche Schokoladenseite

Auf dem Album „Activate Infinity” spielen die Musiker durch die Bank eigene Werke. Dadurch klingt es sehr abwechslungsreich, auch durch die vielen freien Improvisationen. Der Pianist Orrin Evans hat großen Anteil daran, dass sich das Ensemble dabei von seiner besten Seite zeigt.

„Die erste Sache war ja zu realisieren, dass „The Bad Plus” kein normales Jazz-Trio ist, sondern ein Kollektiv, in dem jeder gleichberechtigt ist. Jeder von uns bringt sein eigenes Material ein und dann wird gemeinsam das Beste herausgeholt. So intensiv habe ich das eigentlich noch nie erlebt.”

Orrin Evans
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