Jazz Daniele di Bonaventura Band'Union: Garofani Rossi

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Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Vom Kampflied der internationalen Arbeiterbewegung bis zu Protestliedern aus Südamerika reicht der weite Bogen des Konzept-Albums. Das Bandoneon von Daniele di Bonaventura kann dabei vielstimmig jubilieren oder im Weltschmerz zergehen.

Che Guevara inspiriert

Im April 1965 verließ der Revolutionär Che Guevara Kuba, um in Bolivien den Befreiungskampf voranzutreiben. Er sollte nicht lebend zurückkehren, aber aus seinen angeblich verfassten Abschiedszeilen wurde das Revolutionslied „Hasta Siempre, Comandante“.

Ganz bewusst hat es Daniele di Bonaventura zum Opener seines Konzept-Albums gemacht.

„Die Idee zu der CD ist uns nach einem Auftritt in Deutschland gekommen. Auf einem Festival hatte man uns gebeten, ein Protestlied zu interpretieren. Das war in dieser Besetzung ungewöhnlich, hat uns aber gut gefallen und neugierig gemacht. Wir haben dann eine größere Auswahl getroffen und unsere Arrangements auf die Möglichkeiten des Quartetts abgestimmt.“

Daniele di Bonaventura

Jubilierender Weltschmerz

Vom Kampflied der internationalen Arbeiterbewegung bis zu Protestliedern aus Südamerika reicht der weite Bogen des Albums. Das Bandoneon von Daniele di Bonaventura kann dabei vielstimmig jubilieren oder im Weltschmerz zergehen.

Raumfüllend klingt dazu die zehnsaitige Gitarre von Marcello Peghin, akzentuiert der Kontrabass von Felice del Gaudio. Der Schlagzeuger Alfredo Laviano muss das kleine Quartett nur feinmotorisch antreiben, denn man ist vorzüglich aufeinander abgestimmt.

Jede der Protesthymnen sollte ihre ganz eigene Anmutung erhalten, erläutert Daniele di Bonaventura.

Rote Nelken

"Wir haben das Album „Garofani Rossi“ überschrieben weil rote Nelken das Symbol der friedlichen Revolution 1974 in Portugal waren. Es gibt ja viele Bilder von Frauen und Männern, die Nelken in die Gewehrläufe der Soldaten steckten. Der Fotograf Mario Dondero hat damals die Revolution sehr mutig begleitet und dokumentiert. Eines seiner Bilder ziert nun auch das Cover. Ihm haben wir das Album gewidmet."

Daniele di Bonaventura

Intensive Ansage

Bonaventura und sein Quartett geben den Liedern Würde und Wirkung zurück. Aufgesetztes Pathos ist ihnen fremd, aber gerade so machen sie bei jedem Stück eine intensive Ansage.

Ihre Musik soll zum nachdenken anregen. Sie ist kein Geplätscher für nebenbei sondern legt eine Spur zum Warum und Weshalb.

Gegen das Gefällige

Ein deutlicher Vorwurf ist das engagierte Album an alle die tagein, tagaus als Schönwetter-Künstler mit Gefälligem ihr Metier betreiben. Dabei ist der Jazz die ureigene Musik der Unterdrückten und Entrechteten.

Daniele di Bonaventura und sein Quartett beziehen hier eindeutig Stellung. Über das eigene Genre hinaus kann man Protestsongs aufgreifen und seine Haltung anzeigen.

Es ist äußerst anregend dem Quartett dabei zuzuhören, denn die Gedanken fliegen frei.

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