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Der Jazzclub „Armer Konrad“ in Weinstadt-Beutelsbach ist nach einem rebellischen Bündnis von Bürgern und Bauern aus dem 16. Jahrhundert benannt. Allerdings nicht direkt um des Protests Willen. Vielmehr will der Club den Jazz in die Provinz bringen. Seit genau 40 Jahren macht er das so erfolgreich, dass er erst kürzlich auch für sein anspruchsvolles Programm und Engagement mit dem „Applaus“, einem hochdotierten Bundeskulturpreis, ausgezeichnet wurde.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2
40 Jahre „Jazzclub Armer Konrad"  in Weinstadt-Beutelsbach bei Stuttgart (Foto: SWR, Tobias Ignée)
Jazzclub „Armer Konrad” in Weinstadt-Beutelsbach Tobias Ignée

Immer etwas Besonderes, so dicht zusammenzusitzen

Für Jazzmusiker Florian Hoefner ist es eine Selbstverständlichkeit, bei seiner Tour durch Europa auch im „Armen Konrad“ Station zu machen. Der kleine Jazzclub im Gewölbekeller eines ehemaligen Stifts hat für ihn mit seinem Kneipenambiente einen unwiderstehlichen Charme. „Wir als Band sind quasi auf gleicher Ebene mit dem Publikum. Das ist für uns immer was ganz Besonderes, wenn man so dicht beieinandersitzt.“

Vor und nach dem Konzert gibt es selbstgemachte Maultauschen und württembergischen Riesling. Der kleine Club mit seinen rund 60 Plätzen entstand 1980, als ein paar Jugendliche aus dem Jugendhausalter herausgewachsen waren, aber weiter Konzerte veranstalten wollten.

40 Jahre „Jazzclub Armer Konrad"  in Weinstadt-Beutelsbach bei Stuttgart (Foto: SWR, Tobias Ignée)
Erinnerungen an die 40-jährige Jazz-Geschichte des „Armen Konrad” Tobias Ignée

Maynard Ferguson, Ernie Watts, Mnozil Bras und Klaus Lenz

Inzwischen ist der Verein mit 450 musikbegeisterten Mitgliedern in Weinstadt fest verankert. Die Stadt verdankt ihm auch einen intensiven Kulturaustausch mit der westpolnischen Stadt Miedzychod. Bis heute sind jährlich bei den Weinstädter Jazztagen polnische Musiker zu Gast. Auch Klaus Doldinger oder Al Di Meola folgten der Einladung ins Remstal - die spielten allerdings in den umliegenden Stadthallen und nicht im Jazzkeller. Darüber hinaus kamen Maynard Ferguson, Ernie Watts, die österreichische Blechbläserband Mnozil Bras und Klaus Lenz, der Nestor der DDR-Jazzszene. Das Erfolgsrezept ist die Mischung: Latin, Swing oder Modern Jazz, Rock, Blues und Weltmusik.

Der Bundeskulturpreis „Applaus“ ist eine Anerkennung für die in 40 Jahren geleistete Arbeit im Dienst des Jazz. Und auch Ansporn weiterzumachen: Denn die 18.000 Euro Preisgeld werden für das Jubiläumsprogramm ausgegeben. Etwa für die Zusammenstellung einer Band aus Jazzpreisträgern des Landes und für das Auftaktkonzert am kommenden Sonntagabend mit dem Tingvall Trio.

Jazzclub „Armer Konrad” in Weinstadt-Beutelsbach. Progamm im Januar 2020.

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