Musik Lebende Legenden: Die Fantastischen Vier eröffnen ihre eigene Ausstellung in Stuttgart

Es ist eine Schwäbische Erfolgsgeschichte: Vor 30 Jahren haben Die Fantastischen Vier den Hip Hop nach Deutschland geholt – und nebenbei die deutschen Sprache in der hiesigen Popmusik wieder populär gemacht. In einem ehemaligen Stuttgarter Kindergarten gaben Fanta 4 vor 30 Jahren ihr erstes Konzert, heute füllen sie Stadien. Zur Eröffnung der Ausstellung „Troy – 30 Jahre Die Fantastischen Vier“ im StadtPalais Stuttgart kam sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann – der sich als großer Fanta-Fan offenbarte.

Als Die Fantastischen Vier den Hip Hop nach Deutschland holten, fielen sie vor allem durch eines auf – die Sprache ihrer Lieder: Deutsch, was in der damaligen Musikszene als total uncool galt. Doch die Fantas setzten sich durch.

Dem zollt Ministerpräsident Winfried Kretschmann Respekt: „Die Muttersprache gegen einen Trend wieder modern zu machen, das ist schon eine geniale Leistung“, sagt er während des Podiumsgesprächs mit den Musikern bei der Ausstellungseröffnung in Stuttgart.

Kunscht! traf Fanta 4 bei der Premiere ihres neuen Films:

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
22:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Fanta-Fan Kretschmann

Kretschmann kann an diesem Abend mächtig punkten. Er zeigt sich nahbar und verwurzelt, sieht in den Hip Hop-Texten philosophisches Gedankengut und stellt die Fanta 4 sogar auf eine Ebene mit Homer.

„Ich bin Homer-Leser. Ich lese also in den Ferien die Ilias und die Odyssee, und die ist in Gesänge gegliedert. Das war vor 2 ½ Tausend Jahren so wie mit den Fantastischen Vier!“

Ein Fall fürs Museum

Immerhin sind Die Fantastischen Vier nun museumsreif. „Wie sonst die Toten!“, erklären sie bei der Pressekonferenz nicht ohne Schreck, um sich dann schnell auf einen schöneren Begriff zu einigen: „Legende sind wir natürlich, lebende Legende.“

And. Ypsilon ist der einzige der Fantas, der bis heute seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart hat. Die anderen wohnen in der Eifel, in Berlin und Hamburg.

Hits aus dem Kinderzimmer

Das StadtPalais hat begehbare Dioramen zu berühmten Video-Clips entworfen. 30 Jahre Fanta 4, das ist auch ein Gang vom analogen Zeitalter bis in die digitale Gegenwart.

Unglaublich, was die Musiker bis heute verwahren! Unter anderem den Atari-Computer, auf dem im Kinderzimmer-Studio von And.Ypsilon mit Hilfe eines selbst geschriebenen Musikprogramms der Megahit „Die da!?!“ entstand. Die Dateien sind noch immer auf dem Rechner drauf.

Museum mit Eventcharakter

Das StadtPalais wird mit dieser Ausstellung sehr viel Publikum anziehen, vor allem auch junge Leute. Das ist grundsätzlich gut.

Doch wenn Direktor Torben Giese es wirklich ernst meint mit dieser Hommage, dann sollte er noch einen Katalog produzieren, um das Gezeigte festzuhalten und dem einen oder anderen nachzugehen – etwa dem Einfluss der amerikanischen GI’s in Stuttgart auf den Werdegang der Fanta 4.

„Wir würden sagen: Das muss man erleben. Das kann man nicht in einen Katalog bannen.“, sagt Torben Giese. Weg vom wissenschaftlichen Aufbereiten und Bewahren hin zum Event, das dann verpufft: Es scheint ganz so, als bahne sich da ein neues Konzept von Museum an.

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