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Ein von langer Hand geplanter Erfolg

„People Need Love“ war keinem Happening entsprungen, sondern ein mit Kalkül und Können platzierter Hit. Schon seit den frühen 1960er Jahren bastelten die beiden Männer der Formation, Björn Ulvaeus und Benny Andersson, gezielt an ihrer Karriere.

Sie klampften in schwedischen Folk-Bands oder schüttelten provokant ihr Haupthaar als Rockmusiker. Dem standen die beiden Frauen in nichts nach: Agnetha Fältskog war erfolgreich als Sängerin und Anni-Frid Lyngstad hatte sogar einen Vertrag beim Major-Label EMI unterschrieben.

In der kleinen Musikszene Schwedens lief man sich zwangsläufig über den Weg

Da die Musikszene in Schweden sehr überschaubar ist, begegneten sich die vier immer wieder bei Konzerten oder den damals sehr beliebten Fernsehshows.

Einen der ersten gemeinsamen Auftritte hatte das Quartett in einer Western-Revue, die zur besten Sendezeit über den Bildschirm flimmerte. Im Fransen-Kostüm samt Cowboy- Outfit fanden sie aber noch lange nicht zur Bestform.

Ohne Hit landet man als Musiker ziemlich schnell am unteren Ende der Nahrungskette — das begriffen Benny und Björn Anfang der 1970er Jahre ziemlich schnell. Ihre Singles blieben in Schweden Ladenhüter, die Übermacht englischer Popgruppen war einfach viel zu groß.

Zwei verliebte Pärchen als Konzept

Es musste ein neues Konzept her und da traf es sich gut, dass man aus zwei verliebten Pärchen ein Quartett schmieden konnte. Im Hintergrund regierte ein strenger Musikmanager mit Walroßbart, der den Verliebten mit auf den Weg gab: Früher Vogel fängt den Wurm!

Benny und Björn legten sich eine strickte Arbeitsteilung auf. Beide konnten weder Noten lesen, geschweige denn einen Song zu Papier bringen. Also ging es gemeinsam in eine abgelegen Schwedenhütte. Dort wurden Gitarre und Akkordeon so lange gequält, bis ein Ohrwurm heraus kroch.

Björn drechselte zudem am Text und langsam fügten sich die Elemente zusammen. Im Tonstudio ging die Arbeit dann als Quartett weiter. Die Frauenstimmen wurden sehr intuitiv hinzugefügt und so verbrauchte das Quartett Kilometer um Kilometer Bandmaterial.

Aus Björn, Benny, Agnetha und Anni-Frid wurde ABBA

Als Björn, Benny, Agnetha und Anni-Frid am späten Abend des 29. März 1972 müde aus dem Tonstudio wankten, hatte ihr Toningenieur ein kleines Meisterwerk vollbracht: Der Grundstein für den Sound des Quartetts war gelegt.

„People Need Love“ erschien allerdings noch unter Verwendung ihrer ausgeschriebenen Vornamen. Daraus sollte aber schon bald das Kürzel „ABBA“ werden, denn „People Need Love“ kletterte schnell an die Spitze der schwedischen Charts.

Zehn Jahre sollte der Höhenflug des Quartetts andauern, der mit dem kleinen Song gezündet hatte. Als die Beziehungen im Quartett dann Züge eines Dramas von Ingmar Bergman annahmen, folgte 1982 die Trennung. Da half auch der Song „People Need Love“ nicht mehr weiter. ABBA ist Geschichte.

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