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10:05 Uhr
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SWR2

Jazz galt in der DDR als „Gift des Imperialismus“ und „Ausdruck der Affenkultur“. Dennoch haben sich die Jazzer in Ostdeutschland über alle Anfeindungen und kulturpolitischen Hindernisse hinweggesetzt, sodass sich der Jazz in der DDR auf erstaunlich eigenständige Weise entwickeln konnte. Ein Rückblick auf die Jazz-Szene in der DDR.

Jazz Diese Musiker haben den Jazz der DDR geprägt

Einflussreiche Jazzmusiker der DDR (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa-report)
Zu Beginn schossen in der DDR die Bigbands wie Pilze aus dem Boden. In Ost-Berlin startete das Plattenlabel Amiga und in Leipzig formierte Kurt Henkels ein Orchester, das zu den besten Bands in Deutschland gehörte. dpa-report Bild in Detailansicht öffnen
Doch schon bald nach der Staatsgründung gewannen die stalinistischen Kulturfunktionäre die Oberhand. Jazz wurde als Gift des Imperialismus verunglimpft, Walter Ulbricht bezeichnete ihn als Ausdruck einer "Affenkultur". Doch bereits in den fünfziger Jahren gab es Musiker wie den Saxophonisten Ernst-Luwig Petrowsky, die sich entschlossen und idealistisch über alle Hindernisse hinwegsetzten. Hardy Schiffler Bild in Detailansicht öffnen
„Wir waren ein unbequemer Haufen. Wir kriegten keine Engagements mehr, wir spielten überall nur einmal und wir hatten dauernd Verbote und Schwierigkeiten“, sagt Petrowsky gegenüber SWR2. Im Bild: Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowski (links) und Conny Bauer. Britta Pedersen/dpa Bild in Detailansicht öffnen
In den sechziger Jahren, nach dem Bau der Mauer, folgt ein kulturpolitischer Zickzackkurs - mal offener, mal rigoroser. Jazz begann sich schleichend zu etablieren. Die zahlreich entstehenden Comboformationen orientierten sich an amerikanischen Vorbildern. Ein Musiker, der mit beispielloser Entdeckerfreude der allgemeinen Entwicklung vorauseilte, lebte damals noch in Leipzig, bevor er sich 1966 in den Westen absetzte: der Pianist Joachim Kühn. Pressestelle ACT Lutz Voigtländer Bild in Detailansicht öffnen
Joachim Kühns freies Spiel stellte Mitte der sechziger Jahre eine bedeutende Ausnahme dar. Erst Anfang der siebziger Jahre begann sich die Jazzszene in der DDR - dann aber geradezu explosionsartig - am Free Jazz zu orientieren. Die 1973 formierte Band "Synopsis" mit Ulrich Gumpert, Günter Baby Sommer, Ernst-Ludwig Petrowsky und Conny Bauer (im Bild v.l.n.r.) wirkte wie eine Initialzündung. Imago VIADATA Bild in Detailansicht öffnen
Free Jazz entfaltete sich in der DDR allerdings nicht monochrom, sondern facettenreich zwischen Grenzgängen zur Neuen Musik und Rückgriffen auf thematisches Material wie im Spiel von Ulrich Gumpert. Der brachte mit seiner Workshop Band ein Werk zur Aufführung, dem Signalwirkung zukam, die Suite "Aus Teutschen Landen". Pressestelle Lena Panzer-Selz Bild in Detailansicht öffnen
In den achtziger Jahren gab es in der DDR einen regelrechten Jazzboom. Jüngere Musiker drängten auf die Szene und die einst angefeindete Musik erfuhr staatliche Förderung. Dennoch gab es zwischen den Musikern und ihrem Publikum einen Konsens, der sich als nonkonformistisches Lebensgefühl beschreiben lässt. Im Bild: Ulrich Gumpert, Günter Baby Sommer, Ernst-Ludwig Petrowski und Konrad Bauer zusammen mit dem Liedermacher Wolf Biermann (2.v.r.). Imago IPON Bild in Detailansicht öffnen
Für Ernst-Ludwig Petrowsky, den Doyen des Jazz in der DDR, war Jazz immer auch eine existentielle Erfahrung, berichtet er in SWR2.: „Wir haben so eine Begeisterung gefühlt. Jazzmusik war in dieser Zeit mehr als eine Musik, es war eine Lebensform.“ Imago VIADATA Bild in Detailansicht öffnen

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