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Mooswand in Jena

Aktive Luftfilter für Städte Mit Mooswand gegen Feinstaub

Feinstaub in Städten wird ein immer größeres Problem. Was dagegen hilft sind Fahrverbote, so genannte Umweltzonen. Wirksame, aktive Luft-Filtermethoden gibt es noch nicht. Dresdner Hochschulabsolventen behaupten nun: Wir können Städte von Feinstaub befreien. Und zwar ganz einfach mit einer Mooswand. Angeblich soll sie die Luft so gut filtern wie 275 ausgewachsene Bäume. Wie soll das gehen?

Eine Dresdner Straße mit dem üblichen Verkehr. Auf einer Wiese, gleich neben dem Bürgersteig, steht eine Art Plakatwand. Vier Meter hoch, drei Meter breit. Allerdings ist da kein Plakat hinein gespannt, sondern hunderte Blumentöpfe, aus denen Moose und Pflanzen wachsen.

Der Gartenbauingenieur Peter Sänger ist einer der vier Entwickler der Mooswand und ist fest von deren Wirkung überzeugt. Auch Dénes Honus, der neben ihm steht. Er hat in Dresden und Straßburg Urban Design und Architektur studiert.

Baum der Stadt

Die Mooswand muss nicht im Boden verankert werden und kann innerhalb von wenigen Stunden überall aufgestellt werden. Eine komplette Wand besteht insgesamt aus 1682 Mooskulturen. City Tree haben sie ihre Entwicklung genannt. Übersetzt heißt das Stadt-Baum.

City Tree könne man überall hinstellen. Nur die Windrichtung müsse man beachten, denn das Moos soll ja die Luft filtern. Im Umkreis von bis zu 50 Metern holt City Tree bis zu 30% des Feinstaubs aus der Luft, so die Entwickler.

Feinstaub sammelt sich vor allem am Boden bis in vier Meter Höhe. Bäume haben in dieser Höhe meistens nur den Stamm, aber keine Blätter. Moose haben eine sehr feingliedrige Struktur mit Millionen kleinen Blättchen.

Mooswände wie hier in Oslo fügen sich gut in das jeweilige Stadtbild ein und sorgen für bessere Luft

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Gefaltete Bäume

Faltet man die auseinander, ergäbe sich beinahe dieselbe Oberfläche, wie die der Blätter eines Baumes, sagt Peter Sänger. Er nimmt aus einem der Blumentöpfe das Moos heraus und hält es in seiner Hand. Es ist ein Moosballen, ganz ohne Erde und oben drauf wächst ein zartes Pflänzchen.

In diesem System werden keinerlei Erden verwendet, sondern speziell ausgewählte Moose als Substrat verwendet. Das Moos sitzt im Topfgrund und wird geschützt von einer Pflanze, die zuvor eingepflanzt wird: vor zu hohen UV-Strahlungskonzentrationen im Sommer als auch vor der Austrocknung insgesamt.

Letztendlich ist das Moos hervorragend geeignet, Feinstaub aufzunehmen und vollständig umzuwandeln. Das heißt, es bleibt weder ein Rest übrig, noch die Möglichkeit, dass der Feinstaub zurück ins System gelangt.

Feuchtgebiet im Hochwald

Moose wirken wie Schwämme, sie haben einen anderen Aufnahmemechanismus als z.B. Bäume

Aufnahme über Oberflächen

Und die Pflanze, die darauf wächst, hat den Effekt, CO2, Stickoxyde und andere gasförmige Verunreinigungen aufzunehmen und frisches O2, also Sauerstoff, zu produzieren.

Moos ist ein hervorragender Filter, bestätigt Dr. Peter Otto. Er ist Botaniker an der Leipziger Universität. Denn Moose wirken wie Schwämme, sie haben einen anderen Aufnahmemechanismus als Pflanzen. Sie nehmen Stoffe nicht über die Wurzeln auf, sondern direkt über die Blattoberfläche.

Moose filtern also den Schmutz aus der Luft, und bekommen so ihre Nährstoffe. Allerdings könnten sie nicht alle Feinstäube filtern. Das gilt zum Beispiel für Dieselruß, also Kohlenstoffverbindungen, und bestimmte Metalle, die nicht von den Moosen aufgenommen werden können.

Moose mit E-Mail-Postfach

Moose haben also ein beachtliches Potential. Das Feinstaubproblem alleine lösen können sie aber nicht. Trotzdem seien die Mooswände in Städten sinnvoll. Denn bisher gibt es keine wirkungsvolle Alternative.

Auch auf der Computermesse CeBIT sorgte eine Mooswand für bessere Luft

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Schwierig ist es, die richtigen Moosarten zu finden und sie vorm Austrocknen zu schützen. Denn die Moose sind Dreh- und Angelpunkt. Gehen sie ein, ist es vorbei. Deshalb messen 70 Sensoren ständig die Feuchtigkeit in den Töpfen.

Der Strom kommt von einer Solarzelle auf dem Gestell, in vier Meter Höhe. Ein 1000 Liter Tank, im Fuß des City Tree, sorgt für ausreichend Wasser. Ist der leer, bekommt die jeweils verantwortliche Stelle eine E-Mail – mit der Bitte, Wasser aufzufüllen.

Technikwunder Mooswand

City Tree ist also nicht nur ein Naturwunder, es ist auch ein Technikwunder. Ob es tatsächlich die Wirkung von 275 Bäumen hat, das muss noch bewiesen werden. Tests am Leibnitz Institut für Troposphärenforschung laufen derzeit.

Doch schon jetzt zeigt sich deutlich. City Tree erzeugt Frischluft und ist zum Entspannen und tief durchatmen, jenseits des Straßenverkehrs, gut geeignet.

Mooswand in Oslo - bessere Luftfilterung als Bäume? Das wird derzeit untersucht.

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