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Jeroen van Veen spielt Minimal Music Elementarschule

CD-Tipp vom 19.9.2017

CD-Cover van Veen

CD

Titel:
Jeroen van Veen | Minimal Piano Collection | Volume XXI-XXVIII | Dennis Johnson | Philip Glass | Tom Johnson | Peter Garland | Terry Riley | Harold Budd | La Monte Young
Label:
Brilliant Classics 95543

Zeit wird hörbar
Noch immer scheiden sich an der sogenannten Minimal Music die Geister. Viele ergreifen die Flucht, denn eine Musik wie zum Beispiel Philip Glass' „Two Pages“ von 1969 arbeitet mit wenigen Gesten und Farben, die unentwegt auf einen einstürmen. Sie kann nerven. Wer bleibt, läuft Gefahr, süchtig zu werden. Hier praktiziert einer Grundrechenarten der Musik. Die ständige Wiederkehr des Ähnlichen treibt die Wahrnehmung vor sich her, Eile triumphiert, Zeit wird hörbar, die Intensität wächst mit der Verweildauer. In den besten Stücken dieser Art manifestiert sich neben dem Sog ein irritierendes Moment. Die Sinne sind zwar gefesselt, aber der Verstand ist nicht ausgeschaltet – partiell kämpft er noch gegen den Sog. So würde ich das jedenfalls beschreiben, und wenn Jeroen van Veen spielt, stellt sich das auch ein.

Spezialist für Minimal Music
Der 1969 geborene Holländer gilt als Spezialist für Minimal Music. Zahllose Aufnahmen hat er in diesem Sinne bereits vorgelegt, darunter das Klavierwerk von Ludovico Einaudi, durch den sich eine aufgehübschte Variante minimalistischer Verfahrensweisen manifestiert. Van Veen produziert im eigenen Studio, der Klang seines Instruments erscheint vollmundig. Gelegentlich setzt er sich auch an ein E-Piano. Der Pianist verfügt über die notwendige Geläufigkeit. Unaufdringlich arbeitet er sich durch die gelegentlich endlos anmutenden Schleifen, seine Akzente setzt er cool und sicher.

Vorsichtiger Umgang mit hochkonzentriertem Material
Die aktuelle Auswahl, also die CDs XXI bis XXVIII bieten eine breite Übersicht. Das ist eine Elementarschule der Richtung. Es sei ihm, so sagt van Veen es im Beiheft, darum gegangen, zurück zu den Wurzeln dieser Kunst zu gehen. Neben Klassikern wie Philip Glass, Terry Riley und La Monte Young präsentiert er auch als jüngeren Zeitgenossen Peter Garland, der meiner Meinung nach zu harmlos daherkommt. Der 1938 geborene Dennis Johnson ist für mich dagegen eine richtige Entdeckung. Mit Blick auf ihn, der 1962 das Komponieren zu Gunsten mathematischer Studien aufgab, würde ich die Anliegen, die hinter der Mangelvokabel Minimal Music stehen, etwas umformulieren: Es geht eben nicht nur um das etüdenhafte Insistieren, es findet auch ein Spiel mit dem ALLERNOTWENDIGSTEN statt: So vergehen zu Beginn von Johnsons „November“ annähernd 40 Sekunden, und es erklingen nur zweimal zwei Töne. Das rechte Pedal des Flügels ist während des ganzen Stücks ununterbrochen zu betätigen. Das schafft ein bedächtiges Tempo, jeder Ton hat sein eigenes Gewicht und darf weitgehend ausklingen. Die Harmonik erscheint durchaus konventionell. „November“ entstand 1959 und gilt heute als eines der ersten Stücke der Minimal Music. Der vorsichtige Umgang mit dem hochkonzentrierten Material trägt hier eine Musik, die über fünf Stunden andauert. So etwas hört man sich nicht die ganze Zeit mit gefalteten Händen an. Der Klang aus den Lautsprechern umgibt die einsamen Zuhörer wie eine spirituelle ‚musique á meublement‘, um hier einen Begriff von Eric Satie im Sinne von Johnson umzuwidmen. Sie fasziniert, ohne zu binden. In der aktuellen Sammlung von Jeroen van Veen ist das die halbe Box, nämlich vier CDs.

CD-Tipp vom 19.9.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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Musiktitel:

1. If you
Daby
CD: Amonafi

2. Digitales Proletariat
Georg Ringsgwandl
CD: Andacht und Radau

3. Lucky girl
Jacqui Naylor
CD: Lucky girl

4. Quarto da rainha
Assad Badi
CD: Love and other manias

5. Blood & bone
Laville
CD: The wanderer

6. A to Z blues
Stephanie Nilles
CD: Murder ballads

7. The day Reginald Barker came to stay
Ben Galliers
CD: Calm seas don't make good sailors

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