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viele Gesichtsausdrücke

In Gesichtern lesen Warum verstehen wir Mimik?

Ist der Ausdruck unserer Gefühle, die wir durch unseren Gesichtsausdruck zeigen - also unsere "Mimik"- angeboren? Kommen alle Menschen von Geburt an mit der gleichen Basisausstattung an Gefühlen auf die Welt? Oder müssen wir unsere "Mimik" erst erlernen? Darüber zerbrechen sich Emotionswissenschaftler schon länger den Kopf. Alicia Rust hat darüber mit dem Mimik-Resonanz-Experten Dirk Eilert gesprochen.

Warum haben wir eine mimische Muskulatur?

Wenn wir weinen, uns erschrecken oder lachen, spult unser Gehirn ein Programm aus den frühsten Zeiten der Menschheit ab. Denn unsere Basis-Emotionen sind uns weitgehend angeboren. Ganz gleich, ob wir bei einem Urvolk auf Papua aufwachsen oder inmitten der Großstadt Tokios. Das sagt zumindest Mimik-Resonanz-Forscher Dirk Eilert. Mimik sei vielleicht sogar die Basis der Menschheit an sich, meint er.

Folgende Frage stelle sich: Warum haben wir eigentlich eine mimische Muskulatur? Unsere Skelettmuskeln würden schließlich über Gelenke ziehen, weil sie dazu geeignet seien, die Gelenke zu bewegen. Was die mimische Muskulatur beträfe, gäbe es jedoch nur einen Grund für deren Existenz: Andere Menschen sollten mitbekommen, wie es dem Gegenüber ginge - denn Menschen seien soziale Wesen. Deshalb sei die Mimik absolut elementar fürs zwischenmenschliche Miteinander, so der Mimik-Resonanz-Forscher.

Merkel und Seehofer

Was wollen die Gesichtsausdrücke dieser beiden Politiker wohl sagen?

Mimik richtig interpretieren - gar nicht so einfach

Durch die Mimik unseres Gegenübers erkennen wir, wie es dem anderen geht. Ist er offen oder verschlossen? Feindselig, gar neidisch oder ehrlich erfreut? Umgekehrt signalisieren wir - meist unterbewusst - unserem Gegenüber unser eigenes Befinden. In der Evolution hat sich gezeigt, dass unsere Überlebenschancen entsprechend steigen, ob und wie wir unsere Mitmenschen einschätzen können.

Doch die richtige Einordnung der Mimik ist nicht einfach, was sich am Beispiel des Lächelns gut zeigt. Laut Eilert lächeln wir aus drei Gründen:

  1. Der Mensch lächelt, wenn er sich freut.
  2. Er lächelt aus reiner Freundlichkeit.
  3. Der Mensch lächelt, wenn er gute Miene zum bösen Spiel macht bzw. wenn er etwas maskiert.

Die spannende Frage sei, wie man ein freudiges von einem freundlichen oder gar maskierenden Lächeln unterscheiden könne.

Kulturell übergreifende Gesichtsausdrücke

Um die Existenz unserer angeborenen Emotionen nachzuweisen, führte der amerikanische Psychologe Paul Ekman bereits seit den 60er Jahren umfangreiche Studien durch. Dabei legte er Probanden aus den Vereinigten Staaten, China, Papua–Neuguinea, Brasilien, Chile und Argentinien verschiedene Fotos von emotionalen Gesichtsausdrücken vor. Alle kamen zu recht ähnlichen, bzw. identischen Einschätzungen, vollkommen ungeachtet ihrer eigenen kulturellen Herkunft. Eilert meint, dass Mimik letztendlich eine Sprache sei, die wir alle sprechen würden - auch wenn die meisten verlernt hätten, sie zu verstehen.

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Die sieben Basis-Emotionen

Angst

Überraschung

Ärger

Ekel

Verachtung

Trauer

Freude

Sieben Basis-Emotionen

Um diese "Stille Sprache der Mimik" noch besser zu verstehen, haben Eilert und sein Berliner Team den so genannten READ-Test entwickelt: Dabei geht es darum, die Emotionserkennungsfähigkeit zu messen. Von 49 Gesichtsausdrücken bekommt der Proband jeweils einen für 300 Millisekunden zu sehen und wird dann befragt, was er gesehen hat. Heraus gekommen ist eine Grund-Mimische Ausstattung, die sich auf rund sieben Basis-Emotionen zusammen fassen lässt: "Das sind Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude."

Mimikresonanz - die Emotionen der Mitmenschen besser verstehen

Ziel der Mimikresonanz ist es, besser einschätzen zu können, wie sich andere Menschen fühlen, wie das Gegenüber wirklich empfindet. Wie man selber angemessen reagieren kann. Auch in unangenehmeren Situationen: Denn unangenehme Gefühle seien Hinweisschilder auf unerfüllte Bedürfnisse, meint Eilert. Die Mimikresonanz betrachtet er als eine Methode, um Empathie und Beziehungen an sich zwischen Menschen zu fördern.

Person hält Smartphone in der Hand

Beeinflusst starker Medienkonsum unsere Fähigkeit, Gesichtsausdrücke zu interpretieren, negativ?

Weniger Empathie durch Medienkonsum

Emotionsforscher Eilert plädiert dafür, die emotionale Intelligenz wieder verstärkt zu fördern, besonders an Schulen. Starker Medienkonsum und die Digitalisierung unserer allgegenwärtig vernetzten Gesellschaft, die lieber in die Displays ihrer Handys guckt, als in echte Gesichter, habe dazu geführt, dass viele Menschen zunehmend abstumpfen. Laut Eilert zeigen Studien, dass durch den verstärkten Medienkonsum die für Empathie zuständigen Hirnbereiche schrumpfen.

Dialog über kulturelle Grenzen hinweg

Emotionen zu erkennen und sie richtig einzuordnen, das ist eine Sache. Doch was fängt man mit dieser Erkenntnis an? Im Kern geht es bei der Mimikresonanz darum, zu erkennen, wie andere Menschen empfinden, um die Fähigkeit zum Dialog zu verbessern. Mimikresonanz ist also eine spannende Art der Kommunikation und eine Möglichkeit, auch über kulturelle Grenzen hinweg miteinander in den Dialog zu treten.

Im Programm

darin bis 8.30 Uhr:
u. a. Pressestimmen, Kulturmedienschau und Kulturgespräch

Musikliste:

Frédéric Chopin:
2. Satz Scherzo aus der Cellosonate g-Moll op. 65
Tatjana Vassiljeva (Violoncello)
Jean Neuburger (Klavier)
Pasquale Anfossi:
1. Satz Allegro aus der Sinfonia "Venezia"
Orchestra da Camera di Napoli
Leitung: Enzo Amato
Marc Mangen:
Lovely as ivory
Marc Mangen Trio
Franz Ignaz Beck:
1. Satz aus der Sinfonie Es-Dur op. 1 Nr. 4
New Zealand Chamber Orchestra
Leitung: Donald Armstrong
Edward Elgar:
Harmoniemusik Nr.1
Athena Ensemble
Ludwig van Beethoven:
3. Satz Allegro aus dem Streichquartett D-Dur op. 18 Nr. 3
Emerson String Quartet
Omer Avital:
New song
Omer Avital (Bass)
Avishai Cohen (Trompete) und Ensemble
Carl August Nielsen:
Humoreske d-Moll, Fantasiestück op. 2 Nr. 2
Albrecht Mayer (Oboe)
Markus Becker (Klavier)
Francesco Onofrio Manfredini:
1. Satz Allegro aus dem Concerto undecimo c-Moll op. 3 Nr. 11
Les Amis de Philippe
Leitung: Ludger Rémy
Johann Sebastian Bach:
3. Satz aus dem Italienischen Konzert F-Dur BWV 971
Angela Hewitt (Klavier)
Chris Walden:
Lost in the memory
Courtney Fortune (Vocal)
Chris Walden Big Band
Johannes Brahms:
3. Satz Andantino aus dem Klarinettenquintett h-Moll op. 115
Sabine Meyer (Klarinette)
Alban Berg Quartett
Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville:
1. Satz Allegro aus der Sonate a quattro op. 3 Nr. 5
Les Musiciens du Louvre
Leitung: Marc Minkowski
Joseph Haydn:
5. Satz aus dem Sreichquartett B-Dur op. 1 Nr. 1
Hagen Quartett
Wolfgang Amadeus Mozart:
"Figaros Hochzeit", Duett Gräfin-Susanna (3. Akt), bearbeitet für Harmoniemusik
Linos-Ensemble
J. Russel Robinson:
Eccentric rag
Ellery Eskelin (Saxophon)
Christian Weber (Bass)
Michael Griener (Perkussion)
Brad Mehldau:
X. In the kitchen aus der Suite "April 2020"
Brad Mehldau (Klavier)