lesenswert Quartett mit Denis Scheck

Witold Gombrowicz: Pornographie

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Denis Scheck

Denis Scheck entdeckt den etwas in Vergessenheit geratenen Klassiker der polnischen Literatur wieder: Witold Gombrowicz. Der Zürcher Kampa Verlag widmet ihm eine große Werkausgabe. Denis Scheck stellt das Buch im Quartett vor:

Wenn es einen Roman gibt, der es an Subtilität mit Vladimir Nabokov und an psychologischer Tiefe mit Choderlos de Laclos „Gefährlichen Liebschaften“ aufnehmen kann, dann dieser! Sie merken, ich bin begeistert.

In seinem Roman „Pornographie“ erzählt Witold Gombrowicz von zwei Warschauer Intellektuellen namens Witold und Fryderyk, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg auf einem Landgut in Ostpolen ein Menschenexperiment durchführen. Sie wollen die Tochter des Gutsbesitzers Henia ihrem Verlobten entfremden und in eine Beziehung mit dem Knecht Karol führen.
Doch das erotische Spiel wird zusehends beklemmend und endet schließlich tödlich. „Pornographie“ versammelt alle wichtigen Themen des als großer Stilist und Provokateur bekannten Autors Witold Gombrowicz: die Sehnsucht nach Jugend, Reife und Unreife sowie die Rebellion gegen gesellschaftliche Zwänge.

Zum Autor:
Witold Gombrowicz gilt als einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er war ein Avantgardist, der den Existentialismus ebenso vorwegnahm wie die Postmoderne. Sein Werk ist zugleich ein bedeutendes Kapitel der Exilliteratur. Denn Witold Gombrowicz betrat ab seinem 34. Lebensjahr sein Heimatland nicht mehr. 1939 wurde er auf einer Argentinienreise vom deutschen Überfall auf Polen und dem Zweiten Weltkrieg überrascht. Er lebte 24 Jahre dann in Argentinien im Exil, kehrte 1963 nach Europa zurück, lebte ein Jahr als Stipendiat der Ford Foundation in West-Berlin, 1964 zog er nach Frankreich und lebte bis zu seinem Tod 1969 im südfranzösischen Vence. Seine Werke erschienen in einem polnischen Exilverlag in Paris und erst ab 1986 in Polen.

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