STAND
AUTOR/IN

Viele Fragen sich entgeistert, wie es zur Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten kommen konnte. Das ist auch die Frage, die sich der Vater einer ganz normalen Familie stellt, als die zu zerbrechen droht. Wie sehr die politische Lage dabei den Alltag vieler Menschen beeinflusst, zeigt eindrucksvoll die neue Graphic Novel von James Sturm, der seine Figuren als Tiere darstellt, und der auch früher schon mit diesen „anthropomorphen“ Charakteren experimentiert hat.

Audio herunterladen (3,4 MB | MP3)

Graphic Novel Erhitzt von Trump: Eine Graphic Novel über das Leben in den USA

Graphic Novel "Ausnahmezustand" von James Sturm (Foto: James Sturm / reprodukt)
Ein Leuchtturm, Möwen das Meer. Es ist das erste und vermutlich bislang einzige Bild, das der Protagonist in „Ausnahmezustand“ von James Sturm je gekauft hat. Jetzt ist das Geld knapp, der Chef zahlt nicht, die Kinder sind anstrengend, die Ehe nicht mehr zu retten. Wie schnell es gehen kann, dass selbst eine recht stabile Mittelstandsfamilie auseinanderbricht, und wie sehr das mit politischen Umständen verwoben sein kann, zeigt dieser neue Comic, der vor der Präsidentschaftswahl 2016 spielt. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Wie beispielhaft dafür die Frage „Trump oder Hillary“ schon von der kleinen Tochter auf der Rückbank zur Grundsatz- oder Gewissensfrage erklärt wird. Und wie politisch selbst die Pop-Tart-Frage ist: Die kleinen Törtchen für den Toaster, meist mit Erdbeerfüllung, sind bei Kindern in den USA sehr beliebt, und der Hersteller wagt gelegentlich zweifelhafte PR-Aktionen vor Wahlen. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Pop Tarts oder Frühstücksriegel, Bernie oder Hillary, Hillary oder Trump, Weihnachten bei den Großeltern oder allein, Paartherapie oder nicht – ständig sind Entscheidungen zu treffen, und selten sind die Folgen zu überblicken. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
„Ausnahmezustand“ von James Sturm ist eine Parabel. Der Familienvater Mark, der sich mit Zeitarbeit und Gelegenheitsjobs durchschlägt, seine Frau, die die Scheidung will, die Kinder mit ihren schönen, niedlichen, aber auch anstrengenden Momenten sind allesamt mit wenigen Strichen ausdrucksstark gezeichnet. Obwohl sie mit Hundeköpfen dargestellt sind. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Tiere als Menschen, das hat eine lange Geschichte im Comic, angefangen vom Holocaust-Epos „Maus“ von Art Spiegelman, bis hin zu Snoopy auf seiner Hundehütte in den Zeitungsstrips. Zeichner James Sturm hat eine Vorliebe für Snoopy und die Peanuts: Nach deren Erfinder Charles M. Schulz ist die Bibliothek an der Comic-Hochschule benannt, die Sturm mitgegründet hat. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
James Sturm lebt in Vermont im Nordosten der USA, wo er auch Zeichnen unterrichtet. Die Geschichte, die er erzählt, könnte sich dort ereignen, aber auch überall anders. Das Wetter wird rauher, genauso der Wahlkampf in Politik und Nachrichten, aber auch der Kampf im Alltag des Familienvaters, der resigniert auf einer Party festellen muss: „Ich muss mich zusammenreißen. Gerade jetzt. Alles geht den Bach runter.“ James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Das dicke Büchlein im kleinen Format ist in einem bestechenden dunklen Blau gehalten. Da erkennt man auch bei Einfarbigkeit in ihren Abstufungen sofort die rote Mütze mit dem Trump-Slogan „Make America Great Again“, die als Weihnachtsgeschenk schon einmal die Familienfeier sprengen kann. Die Übersetzung von Sven Scheer ist gelungen und hilft, diesen sehr amerikanischen Comic zu lesen, ohne in Klischees oder Übersetzungsfallen zu tappen. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Und damit ist „Ausnahmezustand“ nicht nur eine Zustandsbeschreibung des Amerikas von 2016, sondern hilft auch, das Amerika 2020 zu verstehen. Und vielleicht auch ein Stück weit das Deutschland des Jahres 2020, mit seiner Polarisierung gerade in Zeiten der Krise. James Sturm / reprodukt Bild in Detailansicht öffnen

James Sturm hat einige Zeit auch Superhelden-Comics für große US-Verlage gezeichnet, kehrt jetzt aber zu seiner besten Form zurück, mit einer Episodengeschichte, die den Nerv der Zeit trifft. „Ausnahmezustand“ nicht nur eine Zustandsbeschreibung des Amerikas von 2016, sondern hilft auch, das Amerika 2020 zu verstehen. Und vielleicht auch ein Stück weit das Deutschland des Jahres 2020, mit seiner Polarisierung gerade in Zeiten der Krise.

Fotografie „Divided we Stand“: Monika Fischer und Mathias Braschler porträtieren die Spaltung der USA

Die Kombination aus Corona-Pandemie, Donald Trump, Black Lives Matter und bevorstehende Präsidentschaftswahl stellt viele Menschen wieder vor die Frage: Wie ticken überhaupt die USA? Der Porträtband „Divided we stand“ des Schweizer Fotografenpaares Monika Fischer und Mathias Brachler nähert sich einer Antwort an.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Fotografie Robert Frank und Street Photography im Fotomuseum Winterthur

Der Schweiz-Amerikaner Robert Frank ist einer der einflussreichsten künstlerischen Fotografen seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Ein Jahr nach seinem Tod zeigt die Fotostiftung Schweiz in Winterthur nun Franks Frühwerk, parallel dazu ist im benachbarten Fotomuseum die Ausstellung "Street.Life.Photography" zu sehen. Beides zusammen macht Winterthur bis Januar 2021 zum Mekka der Straßenfotografie.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

SWR2 lesenswert Magazin Verzweifeln am eigenen Land – Neue Romane aus den USA

Redaktion und Moderation Katharina Borchardt
Mit neuen Büchern von Nell Zink, Han Kang, Sandra Newman, Ben Lerner und Christine Wunnicke  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

STAND
AUTOR/IN