Buchkritik

Von Tupperdosen und Menstruationstassen – Annabelle Hirsch erzählt die Geschichte der Frauen in 100 Objekten

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Kristine Harthauer

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Geschichte der Frauen zu erzählen. Annabelle Hirsch erzählt sie anhand von Objekten. In ihrem Buch „Die Dinge“ zeigt sie 100 Gegenstände aus verschiedenen Lebensbereichen von Frauen.

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Von der Frau als Objekt zu den Objekten der Frau

Was hat ein 15-Karat Diamant-Ring von Social Media-Star Kim Kardashian gemeinsam mit über 2500 Jahre alten Amazonen-Puppen, einem Metall-Korsett aus dem 17. Jahrhundert oder einer Tupperdose? Sie haben alle etwas mit Frauen zu tun. Und mit der Geschichte der Frauen. Die Objekte sind Zeugnis des weiblichen Alltags, aber auch Hinweis auf die Objektivierung von Frauen und ihre mangelnde Repräsentation in der Geschichtsschreibung.

Als passive, unsichtbare, hübsche Objekte ohne viel Einfluss – so kommen Frauen in der Geschichtsschreibung vor. Oder besser gesagt: Sie kommen im Vergleich zu Männern so gut wie gar nicht vor.

Ein Buch zum Stöbern und Staunen

Annabelle Hirsch zeigt anhand von 100 Objekten, dass Frauen durchaus eine zentrale Rolle in der Geschichte innehatten: Von der Hutnadel, mit der sie sich im öffentlichen Raum gegen aufdringliche Männer zur Wehr setzten, bis hin zur Schreibmaschine, die ihnen zunächst Jobs verschaffte, dann aber die Frauen zur „Tippse“ klein machte.

„Die Dinge“ ist eine kleine Schatzkammer, die immer und immer wieder zum Stöbern und Staunen einlädt. Annabelle Hirschs Buch zeigt, dass der vermeintlich intime, geheime Raum der Frauen keine sagenumwobene, aber auch irgendwie unwichtige Leerstelle ist.

Frauen haben in der Geschichte Platz eingenommen, sie haben Dinge bewegt, verändert und geprägt. Und vor allem: Sie haben Spuren hinterlassen, die man sehen kann, wenn man will.

Literatur Geniale feministische Utopie – „Matrix“, der neue Roman von Lauren Groff

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