Gespräch

Vom „Scholzomat“ zum Kanzler: Lars Haider über sein Buch „Olaf Scholz – Der Weg zur Macht“

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INTERVIEW

Es sei schwer, zu Olaf Scholz einen persönlichen Draht zu entwickeln, sagt sein Biograf Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, in SWR2: „Ich glaube, es hat 40, 50 Treffen gebraucht, bis ich das Gefühl hatte: Ich muss nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Das war schon schwierig, ihm näher zu kommen.“ Am 6. Dezember 2021 erscheint Haiders Buch „Olaf Scholz – Der Weg zur Macht“.

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Demonstrative Nüchternheit ist Programm

Der künftige Kanzler habe es ihm nicht leicht gemacht, erinnert sich der Autor: „Natürlich hat mich gestört, wenn er in Interviews auf Fragen nie geantwortet hat, zumindest nicht auf die Frage, die man ihm gestellt hat, und sich daraus einen Spaß gemacht hat.“

Lange sei Scholz als „Scholzomat“ verspottet worden. Seine demonstrative Nüchternheit sei dabei Programm, sagt Haider „Er glaubt, dass ein Mensch in seinen Ämtern, ob als Bürgermeister, Minister oder als Kanzler, keine Gefühle zeigen darf, weder positive noch negative.“ Er selbst, so Lars Haider, halte das für falsch, habe Scholz oft geraten, doch mehr Gefühle zu zeigen.

Scholz vertraut auf seine enormen fachlichen Kenntnisse

Das kümmere den künftigen Kanzler aber gar nicht. Er vertraue auf seine enormen fachlichen Kenntnisse. Andere seien vielleicht „charismatischer und cooler“, so Haider, beispielsweise Markus Söder. Wenn man aber nachfrage, komme meistens nicht viel. Daraus ziehe Scholz sein Selbstbewusstsein.

Dass jeder im Land „sein Glück finden“ könne, „unabhängig davon, was er macht“, sei der politische Antrieb von Scholz. Niemand solle auf den anderen herabsehen, Männer nicht auf Frauen, Akademiker nicht auf weniger Gebildete. Bei solchen Themen könne sich Scholz auch in Rage reden.

„Zweifel“ und „Olaf Scholz“ passen nicht gut zusammen

Niemand habe ihm 2018 abgenommen, Kanzlerkandidat der SPD und Kanzler werden zu können. Doch die Worte „Zweifel“ und „Olaf Scholz“ passten nicht gut zusammen. „Wenn Olaf Scholz von etwas überzeugt ist, verfolgt er diesen Weg. Wenn etwas dazwischenkommt, empfindet er es als kleinen Rückschlag, hält aber an seinem Plan weiter fest.“

Gegner wie den ehemaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert versuche er einzubinden. Kühnert wird jetzt neuer SPD-Generalsekretär. „Die SPD ist für Olaf Scholz jetzt nicht mehr so wichtig, wie sie es in der Vergangenheit war. Jetzt ist Olaf Scholz für die SPD viel wichtiger als umgekehrt“, so Haider.

Gespräch Bettina Gaus über die Popularität von Olaf Scholz – Profitieren von den Fehlern der Anderen

„Insgesamt ist es sicher vernünftig, wenn die SPD im Wahlkampf mehr auf Konfrontationskurs geht“, meint die SPIEGEL-Kolumnistin Bettina Gaus. Schon, weil die traditionellen Parteien Schwierigkeiten hätten, sich voneinander abzugrenzen. Der Spitzenkandidat der SPD, Olaf Scholz, profitiere im Moment vor allem von den Fehlern, die die beiden anderen Kandidaten Annalena Baerbock und Armin Laschet begingen. Scholz sei als Person der populärste der Bewerber, seine Partei sei es allerdings nicht. Die grundlegende Frage sei, ob die Wähler:innen glauben, dass Scholz für eine engagiertere Sozialpolitik steht. Man dürfe nicht vergessen, dass er die Einschnitte in Sozialleistungen unter Bundeskanzler Gerhard Schröder an maßgeblicher Stelle mitgetragen habe, so Bettina Gaus.  mehr...

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5.9.1987 „Abrüstung jetzt!“ – Olaf Scholz als Juso-Vize bei FDJ-Friedenskundgebung in der DDR

5.9.1987 | Dies ist nach unserer Recherche der älteste O-Ton von Olaf Scholz in den Rundfunk-Archiven. Er lief 1987 in der Stimme der DDR. Der SPD-Politiker ist damals stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungsozialisten. Im September reist er in die DDR um an der „Manifestation der Jugend“ in Wittenberg teilzunehmen. Das ist damals eine Veranstaltung der SED-nahen Freien deutschen Jugend (FDJ), zu der auch Vertreterinnen und Vertreter der Internationalen Friedensbewegung eingeladen sind. Die Teilnehmer setzen sich für einen atomwaffenfreien Korridor in Mitteleuropa ein. Angesichts der vom sowjetischen Präsidenten Gorbatschow und US-Präsident Reagan eingeleiteten Entspannungspolitik sei die Gelegenheit günstig, meint auch Scholz in seiner Rede am 5. September.  mehr...

Kulturmedienschau Claudia Roth wird Kulturstaatsministerin — „Abstieg in den Olymp“?

Der Koalitionsvertrag steht, die Verteilung der Ministerien an die drei Ampel-Parteien steht auch und jetzt ist klar, wer bei den Grünen welchen Minister-Posten bekommt. Ein Kulturministerium gibt es zwar unter der neuen Bundesregierung weiterhin nicht, aber es bleibt das Amt der Kulturstaatsministerin. Wer das wird, steht seit gestern Abend fest: Claudia Roth von den Grünen.  mehr...

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Gespräch Corona-Krise: Die Ampel rudert zurück

Die pandemische Lage von nationaler Tragweite beenden zu wollen, sei ein kardinaler Fehler der Ampel-Parteien gewesen, sagt Albrecht von Lucke, Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik. Bei dieser Fehleinschätzung dürfe man keine der drei Parteien aus der Verantwortung entlassen.
Andererseits war es die FDP, die schon im Wahlkampf als die Freiheits- und Anti-Coronabeschränkungs-Partei aufgetreten sei und die besonders auf ein Ende der pandemischen Lage gedrängt habe, sagt Albrecht von Lucke. Es gebe tatsächlich einen großen Graben in der kommenden Koalition und der breche in der Coronafrage nun erstmals deutlich auf.
Dass Olaf Scholz in der Corona-Krise und übrigens auch in der Klima-Krise bisher kaum in Erscheinung getreten sei, werde die aufgebrochenen Interessenkonflikte zwischen den Ampel-Parteien eher noch vergrößern als verkleinern.  mehr...

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Gespräch „Wege zur Macht“: Stephan Lamby dokumentiert den Bundestagswahlkampf

Authentische Momente der drei Kanzlerkandidat*innen einfangen, das versucht Dokumentarfilmer Stephan Lamby in seiner Langzeitbeobachtung „Wege zur Macht“, der in der ARD-Mediathek zu sehen ist und am Montag, 20. September 2021, um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird.  mehr...

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Forum Nach der Bundestagswahl – Regiert uns jetzt der Kompromiss?

Matthias Heger diskutiert mit
Bettina Gaus, Publizistin
Prof. Dr. Andreas Rödder, Historiker
Christoph Schwennicke, Politikwissenschaftler und Journalist  mehr...

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