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Der Roman „Revolution“ von Viktor Martinowitsch handelt von der Verführbarkeit des Menschen, wenn die Gier nach Macht zum stärksten Motiv seines Handelns wird. Die Literaturkritikerin Insa Wilke stellt das Buch im lesenswert Quartett vor.

„Revolution“ wurde in Belarus verboten

Viktor Martinowitsch stammt aus Belarus, sein Roman „Revolution“ spielt jedoch in Moskau und ist in den letzten zwölf Jahren entstanden. Er schildert also nicht die aktuellen Bemühungen um einen Sturz des Diktators Lukaschenko.

Dennoch wurde der Roman sofort nach seinem Erscheinen ein Symbol der Proteste in Belarus – deshalb wurde er dort ganz schnell beschlagnahmt und verboten.

„Dieses Buch ist ein ganz erstaunlicher Traditionsmix, der auch unheimlichen Witz hat und unheimlich Tempo entwickelt.“

Der Ich-Erzähler, Michael Alexejewitsch German, gerät in die Fänge einer Geheimorganisation, für die er einige Aufträge ausführen muss, zum Beispiel in einem Prozess als Zeuge auftreten und falsche Aussagen machen. German nimmt erstaunt die Veränderungen in seiner Umgebung wahr: er steigt auf, gewinnt an Macht und plötzlich buckeln alle.

Viktor Martinowitsch ist ein sehr gebildeter Autor: Man erfährt viel über Roland Barthes, Michel Foucault und Friedrich Nietzsche. Im Roman geht es auch um die Geschichte der Macht und wie sie ausgeübt wird.

Der Ich-Erzähler, ein aufrechter und anständiger Mann, lässt sich instrumentalisieren

Der Ich-Erzähler, ein aufrechter und anständiger Mann, verändert sich, wird umgedreht und lässt sich instrumentalisieren. Er legt eine fast 400 Seiten lange Beichte vor einer Frau ab, die er liebte und die er unter dem Druck der Geheimorganisation verlassen musste.

„Die auch von Foucault inspirierte Machttheorie, die Viktor Martinowitsch durchspielt, hat mir einige Lichter aufgesetzt, weil ich dies so aus der Gegenwartsliteratur sonst nicht kenne.“

Der Übersetzer:

Thomas Weiler, hat sorgfältig und umfassend gearbeitet. Er hat dem Roman einen Anmerkungsteil mit Erläuterung beigefügt und auf einer eigenen Seite im Internet umfangreiche Hintergrundinformationen in Text, Bild und Ton geliefert.

Der Autor:

Viktor Martinowitsch (auch: Victor Martinovich), wurde 1977 in Belarus geboren. Er studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Politikwissenschaften an der Europäischen Humanistischen Universität in Vilnius. Er schreibt regelmäßig für ZEIT online.

Martinowitsch wurde bekannt mit dem Roman „Paranoia“, der in Belarus nach Erscheinen inoffiziell verboten wurde und 2013 auch auf Englisch erschienen ist. 2012 erhielt er den Maksim-Bahdanowitsch-Preis. Von Dezember 2016 bis Mai 2017 war Martinowitsch Gast des Literaturhauses Zürich. „Revolution“ ist sein dritter Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde.

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