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Ihr Held Harry Potter wird (laut literarischem Geburtsdatum) am 31. Juli 40, sie selbst 55: Anders als ihr berühmter Zauberschüler ist Bestseller-Autorin Joanne K. Rowling in der letzten Zeit nicht unumstritten. Ihr wird vorgeworfen, sich verächtlich über transgender Personen geäußert zu haben - obwohl sich Rowling selbst als Feministin betrachtet.
Die Journalistin Meredith Haaf beobachtet diese Diskussion.

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Meredith Haaf: J. K. Rowling lenkt Aufmerksamkeit auf transkritische Studien

"J. K. Rowling hat in den letzten Jahren immer wieder sehr viel Aufmerksamkeit gelenkt auf transkritische Studien. Auf das Problem, was sie ausmacht, nämlich dass möglicherweise junge Mädchen dazu gedrängt werden oder sich dazu genötigt fühlen, ihre Geschlechtsidentität zu wechseln und lieber als Männer leben wollen, weil sie ihr Frausein nicht aushalten in einer patriarchalen Gesellschaft," erklärt Meredith Haaf von der Süddeutschen Zeitung im Gespräch mit SWR2.

Zugleich beschwöre sie eine Gefahr, die von Transfrauen angeblich für biologische Frauen ausgehe, z. B. bei der Benutzung von Toiletten oder Umkleideräumen, so Haaf, die für die Relevanz von Rowlings Befürchtungen keine richtigen Anhaltspunkte sieht.

Rita Kimmkorn: Eine Harry-Potter-Figur als Transgender-Feindbild?

Es gebe Exegeten im Netz, die auch in Harry-Potter-Büchern diese Haltung ausmachen würden, verkörpert zum Beispiel in der Figur der Boulevard-Journalistin Rita Kimmkorn. "Sie wird charakterisiert als Frau mit auffällig großen, sehr männlichen Händen, mit einer sehr künstlichen Frisur, mit zuviel Make-Up. Umgangssprachlich würde man sagen, sie sieht aufgetranst aus. Und diese Journalistin entpuppt sich dann als ziemlicher Bösewicht," so Haaf.

Manche würden das als subtile transfeindliche Botschaft lesen nach dem Motto: "Kinder hütet Euch vor den etwas männlich aussehenden, sogenannten Frauen."
Meredith Haaf ist Journalistin und Autorin, zuletzt erschien "Streit! Eine Aufforderung", 2008 ihr Erfolgsbuch "Wir Alphamädchen: Warum Feminismus das Leben schöner macht".

Gesellschaft Debatte um JK Rowling: Feministisch oder transphob?

In ihrem neuen Blog-Eintrag enthüllt Harry Potter-Autorin JK Rowling, dass sie Opfer männlicher Gewalt geworden sei. Damit begründet sie ihr Plädoyer für geschützte Frauen-Räume. Das ruft Kritiker*innen auf den Plan, denn gleichzeitig wird der Bestsellerautorin eine diskriminierende Haltung gegenüber Trans-Personen vorgeworfen.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

SWR2 Zeitgenossen Harry-Potter-Verleger und Autor Klaus Humann

Es war im Jahr 1998, da ging ein Raunen durch die deutsche Verlagslandschaft. Der Carlsen Verlag hatte sich die deutschen Rechte für drei Bände einer weitgehend unbekannten schottischen Autorin gesichert. Fünf Mitbieter hatte Carlsen dabei überboten. Und das, obwohl der Verlagsleiter nur Teile des ersten Bandes gelesen hatte. Der Rest ist Legende: die Autorin hieß Joanne K. Rowling, die Romane handelten von einem gewissen Harry Potter, und am Ende stand eine Auflage von 30 Millionen Büchern allein im deutschen Sprachraum. Der Mann, der damals den richtigen Riecher hatte, heißt Klaus Humann.  mehr...

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Kulturmedienschau Intellektuelle beklagen Verlust der Debattenkultur | 10.7.2020

150 Intellektuelle beklagen den Verlust der Debattenkultur, ihr offener Brief, unterzeichnet von Margaret Atwood, JK Rowling und als einzigem Deutschen, Daniel Kehlmann wurde gestern unter anderem in der ZEIT veröffentlicht und hat gleich für bunte Reaktionen gesorgt. Er beschäftigt auch heute noch die Feuilletons.  mehr...

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