Gespräch

Journalistin Teresa Bücker: Freizeit und Arbeitszeit sind ungerecht verteilt

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Doris Maull

Wer über seine Zeit verfügen kann, ist privilegiert und freier. Deshalb habe sie ihr neues Buch „Alle Zeit“ betitelt, erläutert die feministische Journalistin und Bloggerin Teresa Bücker im Gespräch mit SWR2.

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Zeitarmut versus Zeitsouveränität: Glücklich, wer selbstbestimmt seine Zeit einteilen kann

Vor allem die Notwendigkeit zu arbeiten sorge für „Zeitarmut“. Bücker führt aus: „Wir haben auch in Deutschland das Phänomen, dass immer mehr Menschen auf zwei oder drei Jobs angewiesen sind – und die sind sehr zeitarm.“

Sie selbst, so Bücker, habe das Glück, „zeitsouverän“ arbeiten zu können, da sie als Freiberuflerin keinen engen beruflichen Zeitvorgaben folgen müsse: „Ich habe noch relativ viel Zeit, weil ich mir die Arbeit in der Familie mit meinem Partner aufteile.“

Aus ihrer Sicht stimmt es nur teilweise, dass alle Welt weniger Zeit habe, weil mehr gearbeitet werde als früher. Ihre Gegenthese: „Die Arbeitszeiten haben sich eigentlich nur polarisiert, sie haben sich ungleich verteilt.“

Warum über eine Neuverteilung der Arbeitszeiten in der Familie gesprochen werden sollte

Bücker fordert, dass unsere Gesellschaft die Verteilung von Zeit durch eine andere Verteilung von Aufgaben erneut analysiert. Schlüssel dafür seien unter anderem mehr Teilzeitjobs – auch bei Männern. Bis heute stelle das „modernisierte Ernährermodell“ – Mann arbeitet Vollzeit und Frau zur Kinderversorgung in Teilzeit – die Norm da.

„Die Männer müssten eigentlich ihre Arbeitszeit reduzieren, um auch Sorgearbeit zu übernehmen.“

Befragungen hätten ergeben, dass viele Frauen weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten wollten, um Zeit für Arbeit in der Familie zu haben.

Zeitpolitik: Eines brennendes Zukunftsthema für Gesellschaft und Politik?

Verwundert zeigt sich Bücker darüber, dass die politischen Parteien das Thema Zeitpolitik noch nicht entdeckt haben, denn auch diese lebten von freiwilligem Engagement. Bücker wörtlich: „Es ist im Interesse der lebendigen Demokratie und jeder Partei, dass wir darüber diskutieren.“

Teresa Bücker arbeitet seit 2008 als Journalistin und Bloggerin. Von 2010 bis 2014 war sie für die SPD tätig, vor allem im Bereich digitale Medien. Nach langjähriger Arbeit für das feministische Online-Magazin „Edition F“ schreibt sie nun Kolumnen für die Online-Ausgabe des SZ-Magazins. Sie ist Mutter von zwei Kindern und lebt in einer Patchwork-Familie in Berlin.

Die beleidigte Gesellschaft Brauchen wir mehr Respekt?

Es diskutieren:
Teresa Bücker - Chefredakteurin des Online-Magazins "Edition F", Berlin, Dr. Niels Van Quaquebeke - Professor für Leadership and Organizational Behavior, Kühne Logistics University Hamburg, Dr. Susanne Schmetkamp - Philosophin, Universität Basel
Gesprächsleitung: Norbert Lang  mehr...

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