Tatort-Schauspieler und Gefängnisarzt schreibt "Gangsterblues" Joe Bausch erzählt Knastgeschichten

Als Schauspieler ist Joe Bausch vor allem als Gerichtsmediziner aus dem Kölner Tatort bekannt. In seinem unbekannteren Leben ist er seit über 30 Jahren Gefängnisarzt im nordrhein-westfälischen Werl. Über seine Erfahrungen im Knast hat er jetzt ein Buch geschrieben, "Gangsterblues". Darin verarbeitet er die Geschichten von Strafgefangenen, die ihm als Arzt Vertrauen entgegengebracht und wichtige Lebens- und Leidenserfahrungen mit ihm geteilt haben.

Vorurteile über das Gefängnis - und nur wenig bekannte Fakten

Viele Geschichten aus dem Gefängnis ähnelten einander, erzählt Joe Bausch in SWR2 am Samstagnachmittag. Gereizt habe ihn, über den Themenkreis von Knastinsassen zu schreiben, der von Vorurteilen belastet, in der Öffentlichkeit aber nur wenig bekannt sei.

So gebe es die seltenen Geschichten von Menschen, die unschuldig einsäßen. Es gebe Geschichten von psychiatrisch Kranken, die gar nicht ins Gefängnis gehörten, und von Menschen, die sich dort "härter bestraften als ein Gesetz oder irgendein Gericht der Welt".

Als Gefängnisarzt das Vertrauen von Inhaftierten gewonnen

Justizpolitik werde mittlerweile sehr emotional gehandhabt, so Bausch in SWR2. Umso wichtiger sei es, sich ein eigenes Bild verschaffen zu können. Er selbst habe dabei auch von seiner Rolle als unabhängiger Arzt profitiert. Häftlingen falle es schwer, sich jemandem anzuvertrauen, der als Angehöriger des Justizsystems gesehen werde.

Auch seine Schauspieler-Karriere habe ihm geholfen, Inhaftierte besser zu verstehen. Aus Interesse an seinen eigenen Rollen habe er besseren Zugang zu Menschen gefunden, die eine wirkliche kriminelle Karriere hinter sich hätten.

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