Gespräch

Sharon Dodua Otoo hält Eröffnungsrede bei Ruhrfestspielen – Von Haltung und Hoffnung

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Schwarze Literatur aus Deutschland ins Blickfeld rücken

Die Autorin und politische Aktivistin Sharon Dodua Otoo hofft, bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen Schwarze Literatur aus Deutschland ins Blickfeld rücken zu können. Im Gespräch mit SWR2 sagt die britisch-deutsche Schriftstellerin: „Erst mal geht es mir darum, öffentlich zu machen, dass es sowas wie Schwarze Literatur in Deutschland gibt.“

Beim dreitägigen Literaturfestival „Resonanzen“, das innerhalb der Ruhrfestspiele ab dem 19. Mai stattfindet, will Dodua Otoo sechs Autor*innen vorstellen. Als Verantwortliche für „Resonanzen“ wolle sie sich stark machen, dass weitere Schwarze Autor*innen verlegt werden. „Das ist der springende Punkt für mich“, sagt Otoo, denn bisher hätten nur wenige einen Verlag gefunden. Das Defizit erklärt die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin des Jahres 2016 mit dem Mangel an Netzwerken: „Das ist die große Herausforderung – und dafür braucht es Interventionen. „Resonanzen“ ist so eine Intervention.“

Dreitägiges Schwarzes Literaturfestival „Resonanzen“: „Eine Art Pilot“

Auf die Frage, ob das Festival einmalig bleibe oder zu einer festen Institution bei den Ruhrfestspielen werden könne, antwortet Sharon Dodua Otoo zurückhaltend: „Dieses Jahr ist es so eine Art Pilot – wir testen das aus, wir schauen, wie das funktioniert.“ Danach werde es Gespräche mit den Verantwortlichen der Ruhrfestspiele geben.

Über die Tatsache, auch die Eröffnungsrede bei dem traditionsreichen Kunstfestival im Ruhrgebiet halten zu dürfen, zeigt sich Otoo sehr erfreut. Da das Festival dieses Jahr das Motto „Haltung und Hoffnung“ habe, fühle sie sich durchaus richtig als Rednerin: „Denn Aktivist*:innen haben auch Hoffnung.“

Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London als Tochter ghanaischer Eltern geboren. Sie hat am Royal Holloway College Deutsch und Management studiert. Sie lebt seit 2006 mit ihren vier Kindern in Berlin und besitzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Für ihren Text „Herr Göttrup setzt sich hin“ erhielt sie 2016 in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis für deutsche Literatur zuerkannt.

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