Gespräch

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über „Unsere gefährdete Demokratie“: Anerkennung und Solidarität gegen Hass und Hetze

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INTERVIEW

„Die Auseinandersetzung lebt von der Stärke der Zivilgesellschaft“, sagt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger — wenn es um die Abwehr von Hass und Hetze im Netz gehe, aber auch zunehmend „im echten Leben“. Mit ihrem neuen Buch „Unsere gefährdete Demokratie“ haben Leutheusser-Schnarrenberger und Gunna Wendt einen engagierten Beitrag zur Populismus- und Hate-Speech-Debatte verfasst.

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Berichte von Politker*innen und Journalist*innen

Am Beispiel von elf Politikern und Journalisten wie den Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby, auf dessen Büro Schüsse abgefeuert wurden, oder die Abgeordnete Nadine Schön, die unter sexistischen Äußerungen zu leiden hatte, zeichnen die Autorinnen ein Bild der heutigen Debattenkultur, das beunruhigt.

Besonders getroffen habe sie, so die ehemalige Bundesjustizministerin, der Mord an dem hessischen CDU-Politiker Walter Lübcke, der für seine politische Haltung und Äußerungen von rechtsextremen Tätern erschossen wurde. Aber auch andere Berichte von Angriffen auf Menschen, die sich für die Gesellschaft engagierten — ob nun durch Nachrichten im Internet oder durch direkte körperliche Gewalt — machten nachdenklich.

„Die Zivilgesellschaft ist gefragt“

Deshalb wollen die Autorinnen ihre Leser*innen auch zu mehr Zivilcourage ermutigen: „Es braucht Anerkennung und Solidarität.“ So könne man etwa Lokalpolitiker*innen schreiben, Mut zusprechen und ihnen deutlich machen, dass sie dem Hass und der Hetze nicht allein gegenüber stünden, rät Leutheusser-Schnarrenberger. Außerdem biete das Buch viele Anregungspunkte, um sich in der Gesellschaft einzubringen. Der Staat könne nur in einem gewissen Rahmen Abhilfe leisten, die Zivilgesellschaft sei gefragt.

Forum Kanal der Radikalen – Wer stoppt den Hass auf Telegram?

Michael Risel diskutiert mit
Prof. Dr. Matthias C. Kettemann, Rechtswissenschaftler, Innsbruck
Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler, Tübingen
Timo Reinfrank, Amadeu Antonio Stiftung, Berlin  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Gespräch Sozialpsychologin Pia Lamberty: Rechtsextreme Strukturen hinter Gewalt bei Corona-Protesten

Morddrohungen im Telegram-Chat gegen den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Pakete mit rohem Fleisch an Politiker*innen, verbunden mit der Prophezeiung: „Ihr werdet ebenfalls bluten“. Man sehe jetzt wieder, wie gefährlich die Strukturen seien, aus denen solche Gewaltdrohungen kämen, sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty in SWR2. Sie forscht in Mainz zu Verschwörungstheorien. „Man hat von Anfang an gesehen, dass diese verschwörungsideologisch geprägten Proteste auch immer ganz klar ins rechtsextreme Spektrum verwoben waren“, so Lamberty. Schon bei Querdenken-Demonstrationen habe es klare Bezüge zu Reichsbürgern und anderen Rechtsextremen gegeben.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

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