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„Immer da, wo Künstliche Intelligenz über Lebensschicksale entscheidet, also über Menschen richtet, da sollten wir besser die Finger davon lassen. Sonst kommen wir in Teufels Küche“, so der Philosoph Richard David Precht in SWR2 über sein neu erschienenes Buch „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“.

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Richard David Precht: KI in Autos darf nicht über Leben entscheiden

Unreflektierte Wahlkampagnen wie „Digitalisierung first. Bedenken second“ wie bei der FDP sehe er deshalb kritisch. „Ich bin nicht gegen digitale Technik“, so Precht, „ich bin auch nicht gegen Künstliche Intelligenz, aber welchen Gebrauch wir davon machen, darüber sollten wir sehr genau nachdenken.“ Es sei ein Unterschied, ob KI den Menschen bei seinen Entscheidungen unterstütze, beispielsweise in der Medizintechnik oder bei der Auswertung von Krankenakten, oder ob sie selbst in den Rang eines Entscheiders erhoben werde.

Das werde schon heute bei der Verwendung von KI in Fahrzeugen deutlich, wenn beispielsweise KI abwägen solle, ob ein Auto, das nicht mehr ausweichen kann, eher ein Kind oder eine alte Frau überfährt. Ein möglicher Anfang für einen kritischen Umgang mit KI sei deshalb, dass die deutsche Automobilindustrie keine Lebensbewertungsfunktionen in ihre Fahrzeuge einbaue. Schon das Grundgesetz schließe eine solche Abwägung von Lebenswert aus.

Nicht zulassen, dass Menschen noch stärker ausspioniert werden

Bislang folge die Entwicklung Künstlicher Intelligenz vor allem einer kapitalistischen Logik. Der Intimbereich des Menschen, seine Bedürfnisse, Wünsche und Träume sei das letzte, was jetzt noch einer stärkeren Kommerzialisierung unterworfen werden könne. Richard David Precht: „Ich kann Sensoren machen, die genau berechnen, wie ich schwitze. Das kann dann übersetzt werden in Emotionen. Auf diese Weise können Menschen noch sehr viel genauer ausspioniert werden mit dem Zweck, ihnen etwas zu verkaufen.“ Irgendwann sei in dieser Hinsicht ein Punkt erreicht, an dem die persönliche Freiheit des einzelnen bedroht sei.

SWR2 Forum Die Stimme der Vernunft – Wie aktuell ist Habermas?

Es diskutieren:
Dr. Wolfram Eilenberger, Philosoph und Publizist, Berlin
Prof. Dr. Regina Kreide, Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Gießen
Prof. Dr. Gary S. Schaal, Politikwissenschaftler, Universität der Bundeswehr, Hamburg
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