Gespräch

Raus aus der Komfortzone – Der Schauspieler und Autor August Zirner

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INTERVIEW
Mareike Gries

Sein Beruf sei eine wunderbare Aufforderung, andauernd die Komfortzone zu verlassen, sagt August Zirner in SWR2. Jedes Mal, wenn er die Bühne oder ein Filmset betrete, sei da immer noch eine gewisse Nervosität, die er aber als hilfreich empfinde. Der Schauspieler ist in den USA als Sohn österreichischer Migranten geboren worden. Gemeinsam mit seiner Tochter Ana hat er über die bewegte Familienbiografie ein Buch geschrieben.

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Vertreibung und Rückkehr in die alte Heimat Österreich

August Zirner wurde in den USA geboren und verließ die Komfortzone seiner Kindheit gleich nach der High School: Er ging nach Wien an die Schauspielschule, das berühmte Max-Reinhardt-Seminar. Die Rückkehr in das Land seiner Eltern und Großeltern war die vorweg genommene Re-Immigration seiner Mutter, erzählt August Zirner im SWR2-Gespräch.

„Für mich ist Antisemitismus Antimenschlichkeit.“

Seine Großmutter wiederum war wegen ihres jüdischen Glaubens enteignet worden, ihr großes Wiener Kaufhaus „Maison Zwieback“ wurde arisiert. Das sei eine tiefe Verletzung ihres Zugehörigkeitsgefühls gewesen, was die Familie geprägt habe.

Familienbiografie in Buchform

Die Geschichten seiner Mutter und seiner Großmutter hat August Zirner gemeinsam mit seiner Tochter Ana Zirner recherchiert und ein Buch daraus gemacht. „Ella und Laura. Von den Müttern unserer Väter“ erzählt von zwei starken Frauen, für die ein Begriff wie „Komfortzone“ vermutlich sehr fremd gewesen wäre.

„So schön Komfortzonen sind und so notwendig sie sind, so notwendig ist es auch, sie zu verlassen.“

Wenn man über die Komfortzone spricht, geht es auch um die Schwierigkeit, sich zugehörig fühlen zu können oder darum, das persönlich Erreichte nicht permanent anzuzweifeln. Ein reichhaltiges Thema auch für die Literatur.

Gedichte und ihre Geschichte „Primaner in Uniform“ von Erich Kästner

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist der Krieg plötzlich wieder in unsere Gegenwart und unsere Nähe gerückt – und das wird seine Spuren in der Literatur hinterlassen, so war es immer schon. Vor rund 100 Jahren hat Erich Kästner versucht, das Grauen des Ersten Weltkriegs in zahlreichen seiner Gedichte zu beschreiben. Er kam bereits als Jugendlicher zum Militär, was ihn herzkrank machte und schwer traumatisierte. Aber er hat den Krieg immerhin überlebt. Viele seiner Schulkameraden und Freunde starben dagegen als junge Soldaten. Davon erzählt Erich Kästner in seinem Gedicht „Primaner in Uniform“, das er 1931 verfasste. Kerstin Bachtler beleuchtet den Text und seine Hintergründe.  mehr...

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Hörbuch Wacker: Peter Kurth liest „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ von Maxim Leo

Eigentlich hat Michael Hartung nur erzählt, was der Journalist hören wollte, aber ehe er sich versieht, ist er ein Held, der 1983 eine Massenflucht aus der DDR ermöglicht hat. Aus der Nummer kommt er so schnell nicht mehr raus, denn plötzlich steht sehr viel auf dem Spiel. Autor Maxim Leo erzählt nicht nur eine amüsante Hochstapler-Geschichte, sondern fragt, wofür wir heute Helden brauchen. Schauspieler Peter Kurth glänzt in seinem Hörbuch-Debüt vor allem in den lebendigen Dialogen – ein großer Spaß mit Tiefgang.  mehr...

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Literatur Vincent Klinks Buch über Venedig – eine süffige Sommerlektüre

Der Stuttgarter Sternekoch Vincent Klink versammelt in seinem neuen Buch „Ein Bauch spaziert durch Venedig“ Anekdoten aus der Küchen- und Kulturgeschichte der Lagunenstadt. Eine süffige Sommerlektüre mit langem Nachhall, kein Kochbuch: Es enthält doppelt so viele Empfehlungen für Kirchenbesichtigungen wie Rezepte. Aber ob Schauen oder Speisen – am Ende, so der Maestro, geht es doch bei allen Reisen um Eines: die Einverleibung des Schönen.  mehr...

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Gastro Jet Kochen mit Genussforscher Thomas Vilgis: Gemüsetrikolore Grün-Weiß-Rot

Draußen ist es warm, da hält sich der Hunger in Grenzen und die Küche bleibt am besten kalt. Beliebt ist daher die italienische Caprese, bestehend aus den Nationalfarben Grün (Basilikum), Weiß (Mozzarella) und Rot (Tomaten). Dieses Rezept stand Pate für eine andere Gemüsetrikolore aus Erbsen, Zwiebeln und Tomaten. Genussforscher Thomas Vilgis geht es darum, in diesem Rezept den besten Geschmack aus jeder Gemüsesorte herauszuholen. Frische Erbsen haben ohnehin viel Eigengeschmack - man könnte sie auch roh essen. Daher muss man sie für dieses Rezept nur kurz in etwas Fett schwenken. Zwiebeln und Tomaten gelten zwar als Lieferanten der Geschmacksrichtung Umami, aber bei der Intensität kann man nachhelfen: Bei den Zwiebeln geht das mit Salz und heller Sojasauce. Bei den Tomaten steckt viel Geschmack in den Kernen, die man separieren und zerstoßen kann. Zusammen angerichtet bringt diese Gemüsetrikolore Abwechslung in die Sommerküche.  mehr...

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Erklär mir Pop Schon jetzt zeitlos: „Halluzinationen“ von Sophie Hunger

Die Schweizerin Sophie Hunger ist eine sehr vielfältige Musikerin, und obwohl sie sich immer wieder neu zu erfinden scheint, bleibt sie dennoch unverwechselbar. Ihr Album „Halluzinationen“ hat sie mit ihrer Band in nur zwei Tagen in den berühmten Abbey Road Studios in London aufgenommen. Der Titelsong überzeugt Udo Dahmen, den Leiter der Mannheimer Popakademie, vor allem durch das zurückgenommene Schlagzeug und den rhythmisierten Gesang von Sophie Hunger.  mehr...

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