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Im Gespräch mit Carsten Otte

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Selten spricht Ralf Rothmann so offen über sein Leben

Ralf Rothmann gibt selten Interviews. Noch seltener spricht er so offen über sein Leben und Werk wie in dieser Sendung.

Dabei betont der 1953 geborene Schriftsteller immer wieder, dass die eigenen Erfahrungen eine wichtige Grundierung seiner Literatur sind. So erinnert er sich im SWR2-Zeitgenossen-Gespräch mit Carsten Otte an die "absolute Freiheit" seiner Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet.

Die "absolute Freiheit" im Ruhrgebiet der Jugend

"Das waren die späten 50er, dann die frühen 60er Jahre", so der Schriftsteller. "Da hieß es, in der streng katholischen Gegend: Wenn mittags um zwölf die Glocken läuten, kommst Du zum Mittagessen, und wenn abends die Laternen ausgehen, kommst Du zum Abendbrot. Dazwischen war die absolute Freiheit, die Freiheit in den Kiesgruben, auf den Weizenfeldern, auf den Kohlehalden. Und das war natürlich etwas Großartiges."

Die vielen Berufe von Ralf Rothmann

"Mein Sprache hat nur dann Schwerkraft, wenn ich aus meinen Erfahrungen spreche", hat Rothmann einmal gesagt. Sein Werk schöpft aus einer Fülle unterschiedlichster beruflicher Tätigkeiten, als Maurer ebenso wie als Adept anderer Jobs. Diese Erfahrungswelten tauchen auf in Rothmanns Erzählungen. Zuletzt veröffentlichte er die Weltkriegsromane "Im Frühling sterben" und "Der Gott jenes Sommers".

"Du hast Kochlöffel auf uns zerschlagen"

Woher seine Macken rühren, das sei ihm im Alter von 25 Jahren klargeworden, erinnert sich Rothmann. Jahrelang habe seine Mutter ihn und die anderen Kinder verprügelt. "Du hast Kochlöffel auf uns zerschlagen", habe er sie eines Tages zur Rede gestellt. Seine Mutter jedoch habe das alles verdrängt.

Literatur solle - im besten Sinne - rühren dürfen, ist der Schriftsteller überzeugt. "Klug sind wir alle selbst, aber bei einem Autor soll es mir doch die Sprache verschlagen."

Buch der Woche vom 13.5.2018 Ralf Rothmann: Der Gott jenes Sommers

Aus der Perspektive eines zwölfjährigen Mädchens beschreibt Ralf Rothmann das Leben in der deutschen Provinz gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Als der Krieg zu Ende ist, lautet das Fazit der jungen Heldin: „Ich hab alles erlebt.“  mehr...

Warum dieses Buch Ralf Rothmann: Hotel der Schlaflosen

Ralf Rothmann erzählt in „Hotel der Schlaflosen“ vom Aberwitz des Lebens, immer wieder anders, immer wieder überraschend.  mehr...

Gespräch Die geistige Silhouette der Republik: 70 Jahre Suhrkamp

Wie kaum ein anderer Verlag hat der Suhrkamp-Verlag das geistige Leben in der Bundesrepublik seit der Nachkriegszeit geprägt. Als einer der ersten überhaupt hatte Peter Suhrkamp von den Alliierten eine Lizenz zur Verlagsgründung erhalten. Große Autoren wie Bertolt Brecht, Max Frisch, Ingeborg Bachmann oder Thomas Bernhard, Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger oder Jürgen Habermas prägten über Jahrzehnte das Erscheinungsbild des Verlags. Etwas kleinlaut habe er sich gefühlt, als er Mitte der 80er Jahre als Debütant zum ersten Mal mit Siegfried Unseld gesprochen habe, erinnert sich der Schriftsteller Ralph Rothmann an seine eigenen Anfänge bei Suhrkamp anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung des Verlags am 1. Juli 1950. Der Nachfolger von Peter Suhrkamp als Verlagschef sei eine „imposante, raumgreifende Persönlichkeit“ gewesen, so Rothmann in SWR2. „Suhrkamp war die geistige Silhouette der Republik“.
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