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Deutschsprachige Lyrik Thilo Krause mit Peter-Huchel-Preis 2019 ausgezeichnet

Von Marie-Dominique Wetzel

Der Lyriker Thilo Krause hat den Peter-Huchel-Preis 2019 für deutschsprachige Lyrik erhalten. Ausgezeichnet wurde er für seinen Gedichtband „Was wir reden, wenn es gewittert“. Der Peter-Huchel-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird vom SWR und vom Land Baden-Württemberg gestiftet. Verliehen wurde der Preis traditionsgemäß am 3. April, dem Geburtstag des Lyrikers, in Staufen im Breisgau, wo Peter Huchel bis zu seinem Tod im Jahr 1981 gelebt hat.

3:56 min | Mi, 3.4.2019 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

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Deutschsprachige Lyrik

Thilo Krause in Staufen mit Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet

Marie-Dominique Wetzel

Der Lyriker Thilo Krause hat in Staufen im Breisgau den Peter-Huchel-Preis erhalten, eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Lyrik. Er wird alljährlich vom Südwestrundfunk und dem Land Baden-Württemberg verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Thilo Krause erhält die Auszeichnung für seinen Gedichtband „Was wir reden, wenn es gewittert“, erschienen im Carl Hanser Verlag. Der 41-jährige stammt aus Dresden und lebt in Zürich.

Thilo Krause lädt bei Preisverleihung nach Zürich ein

Thilo Krause ließ es sich nicht nehmen, trotz des regnerischen Wetters seine Gäste vor der Preisverleihung in Staufen persönlich im Innenhof mit Handschlag zu begrüßen. Und lud zu Beginn seiner Dankesrede auch noch alle an den Küchentisch seiner Familie in Zürich ein. Mit seinem Gedicht „Zürich, um Null“.

Wahrscheinlich sei es sein genauer Blick auf das Alltägliche, der das Befremdliche darin erst entdecken könne, meinte die Literaturkritikerin Beate Tröger in ihrer Laudatio: „Im Fokus steht nicht das sprachliche Experiment, sondern der genaue, geduldige Blick auf Subjekte und Objekte. Nichts ist dieser Anschauung zu gering, keine Straßenlaterne und kein Butterbrotpapier.“

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Lyrik

Peter-Huchel-Preis 2019 - Bilder von der Preisverleihung

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Thilo Krause bei der Preisverleihung zwischen der Laudatorin und Literaturkritikerin Beate Tröger und Vorjahrespreisträger Farhad Showghi.

Thilo Krause bei der Preisverleihung zwischen der Laudatorin und Literaturkritikerin Beate Tröger und Vorjahrespreisträger Farhad Showghi.

Ekkehard Skoruppa, SWR-Ressortchef Künstlerisches Wort und Geschäftsführer des Peter-Huchel-Preises, begrüßte die zahlreich in Staufen im Breisgau erschienenen Gäste und würdigte Preisträger Thilo Krause.

Auch Vorjahrespreisträger Farhad Showghi freute sich über die Auszeichnung für Thilo Krause. Er hatte 2018 den Huchel-Preis für seinen Gedichtband "Wolkenflug spielt Zerreißprobe" erhalten.

Thilo Krause trug aus seinen Gedichten vor und lud zu Beginn seiner Dankesrede alle Anwesenden an den Küchentisch seiner Familie in Zürich ein. Mit seinem Gedicht „Zürich, um Null“.

Mit dem Namensgeber des Preises, dem Lyriker Peter Huchel, ist Thilo Krause auf eher indirekte Weise verbunden. Peter Huchel war Mentor von Krauses Lieblingsdichter Johannes Bobrowski und befreundet mit dem mährischen Dichter Jan Skácel.

Für die Ansprache von Thilo Krause gab es von den Gästen lang anhaltenden Applaus. Der gebürtige Dresdner muss die Zeit zum Schreiben mühsam seinem Alltag abtrotzen. Beruflich ist er Wirtschaftsingenieur im Elektrizitätswerk Zürich.

Laudatorin Beate Tröger verwies auf die Vorbilder von Thilo Krause. Der Autor bezeichne sich selbst als „lesenden Weltreisenden“. Besonders die italienische Lyrik von Montale und Ungaretti hätten ihn geprägt, aber auch amerikanische und japanische Dichter.

In Vertretung von Wissenschafts- und Kunstministerin Theresia Bauer gratulierte Literatur-Referatsleiter Andreas Schüle vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst dem Preisträger. Das Land Baden-Württemberg stiftet den Peter-Huchel-Preis zusammen mit dem Südwestrundfunk.

Für die zahlreich angereisten Gäste und Gratulanten signierte Thilo Krause nach der Preisverleihung seine Bücher.

Herausragende Lyrik-Neuerscheinung des Jahres 2018

Thilo Krause ist 1977 in Dresden geborenen und lebt in Zürich. Die Jury würdigte in Freiburg den bei der Edition Lyrik Kabinett bei Hanser erschienenen Band „Was wir reden, wenn es gewittert“ als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2018.

Beate Tröger verwies in ihrer Laudatio auf die vielfältigen Vorbilder von Thilo Krause. Denn der Autor bezeichnet sich selbst als „lesenden Weltreisenden“. Besonders die italienische Lyrik von Montale und Ungaretti haben ihn geprägt, aber auch amerikanische und japanische Dichter.

Lyrik der Erinnerungen und unaufdringlicher Perspektivwechsel

So gelinge Krause ein Blick auf die Welt „in unaufdringlich-erhellenden Perspektivwechseln“ und „im Austausch mit dem Erinnerten“: „Draußen fließen die Bäume ums Haus. / Drinnen jagen die Schatten. // Was ich dir sagen wollte, steht / auf die Wände geschrieben // flackert / erlischt.“

Buchcover Lyrikband "Was wir reden, wenn es gewittert" von Thilo Krause

Thilo Krause

Was wir reden, wenn es gewittert. Gedichte

Verlag:
Hanser Verlag
Länge:
128 Seiten
Preis:
18 Euro
Bestellnummer:
978-3-446-25816-7

Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik

Der mit 10.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis wurde am 3. April 2019, dem Geburtstag Huchels, in Staufen im Breisgau verliehen. Preisstifter sind der Südwestrundfunk und das Land Baden-Württemberg. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten u. a. Ernst Jandl, Durs Grünbein, Thomas Kling, Friederike Mayröcker und Orsolya Kalász und im vergangenen Jahr Farhad Showgi.

In Staufen verbrachte Huchel nach seiner erzwungenen Ausreise aus der ehemaligen DDR seine letzten Lebensjahre. Der Dichter, geboren am 3. April 1903 bei Berlin, gestorben am 30. April 1981 in Staufen, war ein bedeutender Lyriker und langjähriger Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Sinn und Form". Die Jury besteht aus sieben unabhängigen Literaturkritikern, -wissenschaftlern und Autoren.

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