Gespräch

Neues Sachbuch „Exit – Warum Menschen aufbrechen“

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INTERVIEW
Marie Gediehn

„Ich wolle nicht Schreckensszenarien das Wort reden“, sagt der Bielefelder Soziologe Thomas Faist zur Motivation, das Buch „Exit – Warum Menschen aufbrechen“ zu schreiben. Im Gespräch mit SWR2 gibt der Forscher in diesem Punkt zu bedenken, dass die Zahlen über Migration und Flucht, mit denen in der Politik hantiert wird, „weit übertrieben“ seien.

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Eine Frage der Begrifflichkeiten

Er rät in diesem Zusammenhang weiter: „Wir müssen uns gut überlegen, welche Begriffe wir benutzen.“ Mit dem Terminus „Migrant“ oder „Migrantin“ verbinde man oft Gruppen, die Probleme verursachen. Internationale Studierende oder Manager, die sich ebenfalls mehr als ein Jahr außerhalb ihres Heimatlandes aufhielten – und damit unter die Definition fallen – sehe man aber gar nicht als Problem an.

Für Faist meint „Exit“ die Wanderung von bestimmten Bevölkerungsteilen, um die Lebensverhältnisse zu verbessern, oder um Gefahren durch Kriege und Naturkatastrophen zu entkommen. Das, so Faist, müsse man von einem „Exodus“ unterscheiden. Faist weist auch darauf hin, dass heutzutage der Geburts- oder Wohnort entscheidend ist für die Lebenschancen eines Menschen: „Früher war der größte Faktor der der Klasse – Proletariat oder Bourgeoisie.“

Kann der Umgang mit ukrainischen Geflüchteten ein Vorbild sein?

Faist ist skeptisch, dass die Ukraine-Krise, bei der sich Europa solidarisch mit Flüchtlingen aus den umkämpften Gebieten erklärte, zu einem Umdenken gegenüber Migrantinnen und Migranten geführt hat. Der Maßstab dafür sei, wenn man auch Menschen aus anderen Regionen der Welt unbürokratischer aufnehme: „Das müssen wir abwarten“, meint er.

Professor Thomas Faist stammt aus Wolfach im Schwarzwald. Er ist Soziologe an der Universität Bielefeld und forscht zu internationaler Migration.

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