lesenswert Quartett mit Denis Scheck

Der neue Roman von Christian Kracht: „Eurotrash“

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Im lesenswert Quartett, das erstmals im E-Werk in Baden-Baden aufgezeichnet wird, stellt Denis Scheck den neuen Roman von Christian Kracht „Eurotrash“ vor. Neben Insa Wilke und Ijoma Mangold ist die Schriftstellerin Ines Geipel zu Gast.

Eine Roadnovel durch die Schweiz

„Dies ist der berührendste, menschlich reifste Roman, den Christian Kracht bislang geschrieben hat. Und der lustigste“, meint Denis Scheck. In der Roadnovel reist der Ich-Erzähler, den Kracht als unverhüllt autobiografische Figur vorstellt, mit seiner psychisch kranken und ziemlich dementen Mutter mit dem Taxi durch die Schweiz. Eine Plastiktüte mit sechshunderttausend Franken reist mit.

"Ich war hin und weg von diesem Roman.“

SWR2 Literaturkritiker Carsten Otte hat „Eurotrash“ ganz anders gelesen.

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Die Mutter - eine starke Frauenfigur

Messerscharf seziert Christian Kracht seine Familiengeschichte und schafft mit der Mutter eine starke Frauenfigur, die in seinen bisherigen Romanen fehlt. Erzählt wird vom Großvater mütterlicherseits, einem Altnazi mit SM-Neigungen, vom Vater, einem Parvenue mit Abstiegsängsten, der die rechte Hand von Verlagsleiter und Gründer Axel Cäsar Springer ist, und nicht zuletzt von Christian Kracht selbst, von dem wir erfahren, dass er seine Grundschule angezündet hat und als Elfjähriger im Internat in Kanada von einem Pastor mißbraucht wurde. Das wiederum verbindet den Ich-Erzähler mit seiner Mutter, die ebenfalls als Kind Opfer sexuellen Mißbrauchs wurde.

Der Autor
Der Schriftsteller Christian Kracht wurde 1966 geboren und wuchs in der Schweiz, in den USA, in Kanada und Deutschland auf. Er besuchte verschiedene internationale Internate, darunter die Elite-Schule Salem.

Nach dem College-Abschluss und einem Volontariat bei dem Magazin Tempo arbeitete er zunächst als Redakteur. Kracht wurde Indien-Korrespondent beim SPIEGEL, veröffentlichte Reiseberichte, schrieb Kolumnen für die FAZ und gab die Zeitschrift „Der Freund“ heraus, zusammen mit dem Schriftsteller Eckhart Nickel.

1995 erschien sein erster, sehr umstrittener Roman „Faserland“, der in Hannover auch für die Bühne adaptiert wurde. Für seinen zweiten Roman „1979“ erhielt er internationale Anerkennung. 2012 bekam er für „Imperium“ den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.

Christian Kracht schrieb mit seiner Frau Frauke Finsterwalder das Drehbuch zum Spielfilm „Finsterworld“ (Preis der Deutschen Filmkritik 2014). „Eurotrash“ ist sein sechster Roman.

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