Literatur

Natascha Wodin erhält Joseph-Breitbach-Preis 2022

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Die Schriftstellerin und Übersetzerin Natascha Wodin wurde unter anderem bekannt mit ihrem Buch „Sie kam aus Mariupol“. Nun erhält sie den mit 50.000 Euro dotierten Joseph-Breitbach-Preis.

Natascha Wodin auf der Leipziger Buchmesse 2017 (Foto: imago images, Fotograf: Manfred Segerer)
Sie schreibt mittlerweile ausschließlich nachts ihre Bücher: Natascha Wodin. Fotograf: Manfred Segerer

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Natascha Wodin (76) erhält für ihr Gesamtwerk den Joseph-Breitbach-Preis 2022. Die Bücher der in Fürth geborenen, russisch-ukrainisch-stämmigen Autorin erzählten von der „Verletzlichkeit und Nacktheit des Menschen“ und zeichneten „eine Dringlichkeit und zarte, aber unerbittliche Wucht aus“, teilte die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur am 6. Mai mit. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Akademie und der „Stiftung Joseph Breitbach“ vergeben und soll am 16. September in Koblenz verliehen werden.

„Als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter nimmt die in Deutschland geborene, russisch-ukrainischstämmige Autorin in ihrem Buch ›Sie kam aus Mariupol‹ den historischen Komplex von Schuld und Scham in den Blick, der auch nach Jahrzehnten noch in unsere Gegenwart reicht.“

Aufgewachsen in einem DP-Lager

Natascha Wodin wuchs erst in deutschen Lagern für Displaced Persons, dann - nach dem frühen Tod der Mutter - in einem katholischen Mädchenheim auf. Ihr Romandebüt „Die gläserne Stadt“ erschien 1983, es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, darunter der Roman „Nachtgeschwister“. Für „Sie kam aus Mariupol“ bekam sie 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse. Wodin ist unter anderem auch Trägerin des Hermann-Hesse- und des Alfred-Döblin-Preises.

Preis für deutschsprachige Autor*innen

Der Joseph-Breitbach-Preis wird seit 1998 jährlich an deutschsprachige Schriftsteller*innen verliehen und erinnert an den deutsch-französischen Autor Joseph Breitbach (1903-1980). Bisherige Preisträger*innen sind unter anderen Ilse Aichinger (2000), Herta Müller (2003), Raoul Schrott (2004, Ursula Krechel (2009), Nora Bossong (2020) und Karl-Heinz Ott (2021).

Autorengespräch mit Natascha Wodin Irgendwo in diesem Dunkel

Natascha Wodin wuchs in einer fränkischen Kleinstadt auf. Ihre Eltern waren russische-ukrainische Zwangsarbeiter, die nach dem Krieg in Deutschland blieben. Ihre Mutter beging mit 36 Jahren Selbstmord. Ihre Geschichte hatte Natascha Wodin bereits in ihrem preisgekrönten Roman „Sie kam aus Mariupol“ recherchiert. In „Irgendwo in diesem Dunkel“ setzt sie sich nun mit ihrem gewalttätigen und schweigsamen Vater auseinander. Eine tiefgehende Erkundung.| Rowohlt- Verlag, 20 Euro.| Katharina Borchardt im Gespräch mit der Autorin Natascha Wodin.  mehr...

SWR2 Lesenswert Magazin SWR2

SWR2 Buch der Woche vom 27.02.2017 Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol

In "Sie kam aus Mariupol" erzählt Natascha Wodin vom Schicksal ihrer Mutter: Geboren in einer ukrainischen Adelsfamilie, stalinistischer Terror, Zwangsarbeit in Deutschland. Das Gewinnerbuch des Preises der Leipziger Buchmesse.  mehr...

Buchkritik Natascha Wodin - Nastjas Tränen

Nastja arbeitet in den 1990er Jahren als Putzfrau in Berlin. In Kiew war sie einst Tiefbauingenieurin, doch damit kann sie ihre Familie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr ernähren. Als Illegale in Berlin verdient sie besser, gerät aber auch in gefährliche Abhängigkeiten. In „Nastjas Tränen“ erzählt Natascha Wodin von Heimatlosigkeit und moderner Leibeigenschaft.
Rezension von Katharina Borchardt.
Rowohlt Verlag, 192 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3498002602  mehr...

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