Buchkritik | Corona-Bibliothek

Mund halten und zuhören! Pauline Harmange „Ich hasse Männer“

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Den Vorwurf, Feministinnen seien männerhassende, sexuell frustrierte und unrasierte Frauen, treibt die französische Autorin Pauline Harmange auf die Spitze. Die 25-jährige Feministin hasst Männer und erklärt in ihrem Essay, warum sie das tut.

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Männerhass als Reaktion auf frauenfeindliche Gewalt

Der Ursprung von ihrem Hass auf die Männer liegt für sie zum einen in der Gewalt, die Frauen durch Männer erleben. Natürlich sind Frauen nicht die einzigen Opfer von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen, aber es trifft sie nun mal viel häufiger: So wurden in Frankreich 2019 149 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. In Deutschland waren es 117 Frauen, also fast jeden dritten Tag eine.

Männliche Privilegien im Alltag

Der Ausgangspunkt für Harmanges Misstrauen und ihr Unbehagen gegen Männer hat aber auch noch andere Gründe: Die meisten Männer leben ihre Privilegien, ohne diese zu hinterfragen. Das sind unzählige kleine Dinge im Alltag, die zusammen schwer wiegen: Männer beherrschen den öffentlichen Raum, sie lassen Frauen oft nicht zu Wort kommen oder aussprechen und sind oft sexistisch. Harmange zeigt sehr genau, wie all das dazu führt, dass Frauen ihr Leben einschränken.

„Wir hindern keinen Mann daran, […] sich anzuziehen, wie er will, nach Anbruch der Dunkelheit auf die Straße zu gehen. […] Wir hassen Männer, indem wir Ihnen bestenfalls mit unterkühlter Toleranz begegnen, weil sie überall sind und wir uns notgedrungen mit ihnen arrangieren müssen.“

Schwesterliche Solidarität als Zukunftskonzept

Pauline Hamanges Männerhass, ihre Misandrie, fordert aber keine Opfer und ruft nicht zur Gewalt gegen Männer auf – im Gegensatz zur gesellschaftlich immer noch präsenten Misogynie. Harmanges Ziel lautet: Frauen verbündet euch, gründet Schwesternschaften und legt euch das Selbstvertrauen eines mittelmäßigen Mannes zu.

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