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INTERVIEW

Kein Erlanger Comic-Salon? Ein Drama für die Szene! „Was nicht zu ersetzen ist, sind die Begegnungen“, sagt Comic-Experte Lars von Törne über die Verlagerung der Veranstaltung in den digitalen Bereich. Der Comic-Redakteur des Berliner Tagesspiegels ist selbst ehemaliges Jury-Mitglied beim Erlanger Max- und Moritz-Preis, der die Messe traditionell eröffnet.

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Corona schickt Comic-Messe online

Der Erlanger Comic-Salon ist ein Muss für Comic-Fans aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Seit 1984 hat die internationale Comic-Messe in der Stadt ihren Platz gefunden — doch 2020 musste die Ausstellung Corona-bedingt abgesagt werden.

Die digitale Ausgabe könne zwar kein vollwertiger Ersatz sein, „es ist aber sehr viel gemacht worden“, räumt Törne ein. Etwa der Wettbewerb „Zeichen zeichnen“, bei dem Comic-Autorinnen und Autoren ihre Situation im Corona-Lockdown festhielten – und dafür bezahlt wurden.

Trend zu mehr Autorinnen

Max-und-Moritz-Preis des Erlanger Comic-Salon steht an: Comics werden weiblicher

Andy – A Factual Fairytale. Leben und Werk von Andy Warhol (Foto: Typex / Casterman, 2018)
Nominiert für den Max und Moritz-Preis 2020 ist unter anderem „Andy – A Factual Fairytale. Leben und Werk von Andy Warhol“ von Typex, erschienen im Carlsen Verlag. Typex / Casterman, 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Ebenfalls nominiert ist von Emil Ferris „Am liebsten mag ich Monster“, erschienen 2018 bei Panini Comics. 2020 Emil Ferris. All rights reserved. Bild in Detailansicht öffnen
Bereits bekannt gegeben wurde die Preisträgerin für das betse deutschsprachige Comic-Debüt: Julia Bernhard mit „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“. Julia Bernhard & avant-verlag, 2019 Bild in Detailansicht öffnen
„Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ ist im avant-verlag erschienen. Im Comic geht es um eine Frau, die in der Kommunikation mit ihren Mitmenschen an deren Desinteresse scheitert. Julia Bernhard & avant-verlag, 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Preisträgerin Julia Bernhard, die in Mainz studiert hat, ist auch Teil des Crush Club Collective, eines Zusammenschlusses von Illustratorinnen. Besonders überzeugt hat die Jury der ironische Humor, der „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ durchzieht. Andreas Balonier Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem bekannt gegeben wurde die Preisträgerin des Sonderpreises für ein herausragendes Lebenswerk. Der Preis geht in diesem Jahr an Anke Feuchtenberger. Comic-Salon / Julia Steinigeweg Bild in Detailansicht öffnen
Ihren Durchbruch erlebte die Zeichnerin in den 1990er Jahren, heutzutage lehrt sie als Professorin an der HS Hamburg und veröffentlicht international. — Im Bild: Anke Feuchtenberger: Die Spaziergängerin, Reprodukt Verlag Anke Feuchtenberger / Reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Ihr Einfluss hat die nachfolgende Comic-Generation nachhaltig geprägt. — Im Bild: Anke Feuchtenberger: Die Spaziergängerin. Reprodukt. Berlin, 2012, Seite 21 Anke Feuchtenberger / Reprodukt Bild in Detailansicht öffnen
Anke Feuchtenberger arbeitet auch mit dem Medium Film, „Somnambule“ etwa existiert einerseits als Zeichentrick-Kurzfilm und andererseits als Comic-Buch im Reprodukt Verlag. Anke Feuchtenberger / Reprodukt Bild in Detailansicht öffnen

Nicht abgesagt werden musste die Verleihung des „Max-und-Moritz-Preis“ für herausragende Zeichen-Geschichten, die am Abend stattfindet. Unter den Nominierten sieht von Törne einen Trend zu mehr Autorinnen, was nicht daran liege, dass die Jury erstmals überwiegend weiblich besetzt ist: „Die haben vor allen Dingen nach inhaltlichen und fachlichen und Qualitäts-Kriterien entschieden.“

Bestes Beispiel dafür sei der Comic „Ich fühl’s nicht“ der Schwedin Liv Strömquist. Der Band wurde für den Preis als bester internationaler Comic vorgeschlagen.

Der digitale Erlanger Comic-Salon 2020 beginnt am 10. Juli um 19 Uhr mit der Bekanntgabe der Preisträger*innen. Im Live-Stream und auf verschiedenen Plattformen können die Zuschauer*innen ein vielfältiges Programm verfolgen.

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Farbige Kreise, die sich unterhalten - Martin Panchaud hat sich in seiner Graphic Novel "Die Farbe der Dinge" für eine so ungewöhnliche, wie überzeugende Erzählweise entschieden. Für die ideenreiche Geschichte eines 14-jährigen Außenseiters hat er einen abstrakten Infografik-Stil entwickelt.

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