Comicbuchpreis 2022

„Madame Choi und das Monster“ von Patrick Spät und Sheree Domingo: Eine phantastische und wahre Geschichte

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„Madam Choi und das Monster“ handelt von einem spektakulären Entführungsfall, den Nordkoreas späterer Diktator Kim Jung-il veranlasst hatte, um die Filmindustrie im Land vorwärts zu bringen. Das Ergebnis war der Monsterfilm „Pulgasari“. Zeichnerin Sheree Domingo und Autor Patrick Spät haben aus dem Stoff einen Comic gemacht, für den sie mit dem Coicbuchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung geehrt werden. Sie zeichnet jedes JAhr noch nicht abgeschlossene Comicprojekte aus.

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Der Horrorfilm Pulgasari - gedreht von einem entführten Filmpaar in Nordkorea

Ausschnitt aus dem Comic „Madame Choi und das Monster“ von Zeichnerin Sheree Domingo und Autor Patrick Spät (Foto: Edition Moderne)
Ausschnitt aus dem Comic „Madame Choi und das Monster“ von Zeichnerin Sheree Domingo und Autor Patrick Spät Edition Moderne

Großes Kino: Pulgasari, eine Art Godzilla mit Stierkopf, kämpft Seite an Seite mit den Bauern gegen den tyrannischen König. Auf Youtube stolperte Comic-Autor Patrick Spät über diesen Film, der 1985 in Nordkorea gedreht wurde.

Was ihn besonders faszinierte war die fast ebenso filmreife Entstehungsgeschichte. Der Diktatorensohn Kim Jung-il entführte ein berühmtes Filmpaar – Choin Eun-hee und Shin Sang-ok – nach Nordkorea. Kim Jung-il war ein Filmnarr und zwang die beiden mehr oder weniger, für ihn Filme zu drehen.

Der Filmtrailer von 1985:

Sheree Domingo und Patrick Spät waren schnell begeistert von der Monstergeschichte

„Pulgasari“ wurde von Kim Jung-Il höchst persönlich als astreiner Propagandafilm produziert. Dabei ist das Monster selbst sehr ambivalent.

Gefertigt als kleine Figur aus Reis, wird Pulgasari durch einen Blutstropfen lebendig und ernährt sich ausschließlich von Eisen, wobei das Monster mit jeder Mahlzeit wächst und wächst. So wird es nach dem siegreichen Kampf gegen die Monarchie auch für Bauern zur Bedrohung, die es mit dem Metall ihrer Sensen und Hacken füttern müssen.

Sheree Domingo (Foto: Pressestelle, Schirin Moaiyeri)
Sheree Domingo - Zeichnerin von „Madame Choi und das Monster“ Pressestelle Schirin Moaiyeri

Das könne man ganz unterschiedlich interpretieren, meint Comiczeichnerin Sheree Domingo. So könne das dicke, fette Monster, das nur noch frisst und faulenzt, auch für den Kapitalismus stehen, der die Menschen befreit, aber dann zum Verhängnis werden kann.

Sheree Domingo und Patrick Spät haben sich in ihrer Begeisterung für die Monstergeschichte schnell gefunden. Schwieriger war die Umsetzung.

Ausschnitt aus dem Comic „Madame Choi und das Monster“ von Zeichnerin Sheree Domingo und Autor Patrick Spät (Foto: Pressestelle, Edition Moderne)
Ausschnitt aus dem Comic „Madame Choi und das Monster“ von Zeichnerin Sheree Domingo und Autor Patrick Spät Pressestelle Edition Moderne

Für den Comic mussten zwei Handlungsstränge – die reale Entführungs- und die fiktionale Filmgeschichte – miteinander verbunden werden, wobei die Comiczeichnerin die beiden Stränge mit jeweils unterschiedlichen Farben gekennzeichnet hat.

Die königliche Burg darf nicht wie Neuschwanstein aussehen

Weil die Monsterstory eng mit der koreanischen Mythologie zusammenhängt, war Fingerspitzengefühl erforderlich. Die königliche Burg zum Beispiel drohte zu exotisierend zu wirken und zu sehr nach Schloss Neuschwanstein auszusehen. Eine koreanische Expertin hat daher Text und Bild kritisch auf mögliche Fehlgriffe überprüft.

Nachdem Patrick Spät einmal sein Drehbuch entwickelt hatte, ist das Storyboard danach in enger Zusammenarbeit zwischen Autor und Zeichnerin entstanden. Beide stammen aus Baden-Württemberg und leben heute in Berlin.

Während Sheree Domingo sich vor allem mit feministisch-migrantischen Themen beschäftigt, hält Patrick Spät Ausschau nach ungewöhnlichen historischen Geschichten. „Madame Choi und das Monster“ – die Arbeit an diesem Comic hat für beide perfekt gepasst.

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